Tschö mit Ö

Wieder einmal ist es soweit. Der Handel jammert wie immer über den schlechten Umsatz in diesem Jahr. Wieder einmal haben sich nur Gaffer wochenlang in die Warteschlangen der Parkhäuser eingereiht. Die Fahrzeuge, die diese Schacherschuppen verließen, waren, natürlich nur mit leeren Kartons aus dem Papiercontainer, randvoll gepackt. Menschen, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass bei ihnen das Geld gerade für Alkohol und Zigaretten reicht, kaufen zentnerweise Knallkörper. "Brot statt Böller" geht wieder einmal an ihnen spurlos vorüber. Warum sollte man sich jetzt gerade Brot kaufen, wenn man das Geborgte so schön verbrennen kann?
Lohnt es sich wirklich auf das Jahr 2003 zurück zu schauen? Was begegnet uns da? Ist das nicht ein wenig wie nach dem Vollrausch auf das Erbrochene zu warten? Will man das wirklich noch einmal sehen müssen?
Die Fernsehsender nehmen da keine Rücksicht drauf. Die Schmerzgrenze ist ohnehin schon sehr niedrig angesetzt und die Kotztüten liegen gleich in den Programmzeitschriften im Mittelteil dabei.
Junge Menschen die schnell reich und berühmte werden wollten, halfen RTL dabei schlecht und billig zu produzieren. Angeblich suchte unser Land einen Superstar. Was haben wir nun davon? Der talentfreie Gitarrist von Thomas Anders hält seine Larve in einem 15 Minuten Werbeblock 10 Minuten in die Kamera. Die restlichen 5 bestreiten die Klitschkos. Da helfen dann auch die Tüten aus den Zeitschriften nicht mehr.
Waren Sie im abgelaufenen Jahr 2003 (für die Mitbürger aus alten Ländern: In 2003) mal krankgeschrieben? Man kann nicht aufstehen und es ist langweilig? Was liegt näher als mal zu schauen, was die zwei Fernsehmonopolisten auf den rund 30 Kanälen ins Breitbandkabel schießen? Tagsüber Fernsehen? Da fleht man regelrecht um seine Gesundschreibung. Einzig die Comedysender neunlive, HSE, QVC und RTL-Shop spenden noch Licht in das Dunkel der geistigen Umnachtung der Medienschaffenden. Manchmal kann man aber Angst vor dem Gedanken bekommen, dass das gar nicht als Spassprogramm gedacht sein könnte.
Ähnlich geht es mir mit dem was politisch so abging, zwischen den Rücktritten unserer Regierung. Es sollte unsere Eigenverantwortung erhöht werden und zwar auf allen Gebieten. Jeder mitdenkende Mensch weiß nun endlich, dass "Eigenverantwortung erhöhen" nichts weiter ist, als eine freundliche Umschreibung für Sozialabbau und den Griff in das Portemonnaie der braven Bürger.
Aus der uneingeschränkten Solidarität mit den USA wurde ein deutsches "Nein" zum Irak- Krieg. Egal ob aus wahltaktischen Gründen oder ehrlich gemeint. Es war wenigstens mal ein Zeichen, das er Mehrheit der Mitbürger zu entsprechen schien. Da konnte George W. Feld- Busch toben wie er wollte, nicht einmal öffentliche Selbstkasteiung durch den Empfang vom brutalstmöglichen Aufklärer Deutschlands MP Koch, wurde nicht als aufrichtige Sühne akzeptiert. Nun gut, die Amis haben das mit ihren Kumpels durchgezogen. Die Kriegsgründe haben sich nicht bewahrheitet und alle sind wieder gut miteinander. Schließlich geht es immer um viel Geld und viel Macht. Kriege brauchen keinen Grund, es genügt ein Anreiz, wie es neulich in der Harald- Schmidt- Show hieß.
Die macht nun eine "Kreativpause" und Herr Schmidt keinen Hehl daraus, dass da wohl etwas anderes dahinter stecken könnte. Er sagt uns aber nicht was. Schade eigentlich. Die Aufmerksamkeit die ihm nun die gesamte Presse entgegenbringt, vom Feuileton bis hin zur Sensationspresse, sei ihm gegönnt. Die Art und Weise Dinge auf den Punkt zu bringen und der Mut das Publikum auch mal mit Absicht zu langweilen ist schon einzigartig in der quotengeilen, weichgespülten Belanglosigkeit der gleichgeschalteten Fernsehwelt. Ich fand seinen Jahresrückblick jedenfalls große Klasse. Nicht die ewig gleichen Pseudopromis einzuladen und ihnen die ewig langweiligen Bekenntnisse abzufragen, die mit dem Management vereinbart waren, dafür Interviews von Verona und Co. mit der Klofrau in verteilten Rolle zu lesen, brachten diese verlogene Szene ins rechte Licht.
Die ordinäre Schreischnepfe, die nun den Sendeplatz von Herrn Schmidt mit ihrem einzigartigen Nichts ausfüllen soll, wird sicher nicht lange dort zu bewundern sein. Es ist der pure Egoismus des Schreibers und auf gar keinen Fall die Besorgnis um das soziale Wohl von Herrn Schmidt, wenn der Wunsch von mir geäußert wird, dass diese Kreativpause nicht allzulange dauern sollte.
War sonst noch was? Ach ja, das Westerwelle spricht wieder, nachdem er mit dem lärmen aufgehört hat als Mölli aus allen Wolken fiel. Ob da nötig war sei dahingestellt.
Herr Friedmann wurde von seiner Doppelmoral eingeholt. Keine Sorge, er ist schon wieder ganz der Alte.
Fäkalvokalisten haben sich ein Buch schreiben lassen und viele Menschen kauften es. Hier hat Volker Pispers recht, wenn er feststellt, das die Steuerlast nicht zu hoch sein kann, wenn ein Volk noch Bücher von Bohlen und Co. kauft.

Bleibt nur wie immer festzustellen, dass wir uns wieder auf ein mittleres Jahr freuen dürfen. Es wird schlechter als 2003 aber auf jeden Fall besser als 2005.
In diesem Sinn Prost Neujahr!

zu weiteren Themen
Home