Das Vorher-Nachher- Klo

Im Fernsehen gibt es schon viele Jahre eine "Vorher- Nachher- Show". Mitmenschen, meistens Frauen schicken ihre besten Freundinnen zum Briefkasten um Schreiben einwerfen zu lassen, in denen aufgeschrieben wurde, dass sie irgendwie nicht mehr zu sich selber stehen können. Das läge vor allem an ihrem Äußeren. Ob man da nicht irgend etwas machen könne? Da so viele Fernsender irgendetwas zum Senden brauchen, die Ideen aber kaum für eine Handvoll von ihnen ausreichen, greifen sie hin und wieder in den Mülleimer des Lebens.
So kommt es das eine, vielleicht etwas übergewichtige, unproportionierte, mit der Frisur eines Pudels und dem modischen Geschmack einer Hafennutte ausgestatte, Enddreißigerin mit ihrer vermeintlich besten Freundin in ein Fernsehstudio eingeladen werden. Dort werden sie bereits von einer, aus dem sachsen- anhaltinischen angekarrten, Gruppe Grenzdebiler mit dem klassischen Wink- Syndrom erwartet.
Das Experiment beginnt und am Ende kann man keinen Unterschied feststellen. Vorher= Nachher. Und das alles nur, weil man nicht wusste was man senden sollte und niemand den Mut hatte der Frau und ihrer besten Freundin zu sagen: Tut uns leid, versucht es doch mal beim Abdecker. Enthauptungen dürfen wir im Fernsehen noch nicht vornehmen.
So ist das bei uns normalen Menschen. Das Vorher ist dem Nachher im Prinzip gar nicht so unähnlich.
Anders ist das bei einer besonderen Form der menschlichen Spezies. Ich spreche vom klassischen Vermieter.
Zunächst in seiner Entwicklung ein ganz normaler Mensch, bis er in den Besitz eines Haufens Steine gelangt, die mit Mörtel verbunden aufeinander geschichtet wurden. Dann überlegt er. Was fange ich eigentlich damit an?
Hm, wird er sich denken. Hm, ich könnte den ganzen Kram doch an andere vermieten, die kein Geld oder keine Lust haben einen Haufen Steine mit Mörtel zu verbinden und aufeinander zu schichten, um anschließend darin zu wohnen. Die geben mir Geld dafür und das Tagwerk wird mir leicht auf den Schultern werden. Morgens, wenn ich aufwache, dann bin ich immer um eine paar Euro reicher.
Jetzt kommen wir ins Spiel. Wir, die auf Lohnsteuerkarte arbeiten und zur Miete wohnen müssen. Auch wir wollen es schön haben und so tun, als ob wir im Luxus leben. Darum lesen wir Immobilienanzeigen in Zeitungen, suchen im Internet und machen ganz verrückte Sachen, um an schöne Wohnungen zu kommen.
Mal angenommen wir finden wirklich eine, die auch noch bezahlbar ist, dann treffen wir zunächst, in aller Regel, auf einen Makler, der uns zunächst einmal erklärt was uns seine Dienste plus Märchensteuer wert sein müssen, damit er uns eine behagliche Höhle suchen werden wird.
Wenn wir Pech haben, dann vermietet er uns die Wohnung im Haus seiner Mutter, dass er auch noch verwaltet. Da darf er zwar keinen Euro Courtage nehmen aber das macht doch nichts, das merkt doch keiner. Wir geben doch gern. Schließlich verwaltet er ein wenig vom Mangel der westlichen Hemisphäre. Wenn die Wohnung schön ist oder man steht unter dem Druck eines bereits gekündigten Vertrages einer anderen Behausung, dann läßt man sich drauf ein.
Einem Freund erzählt man alles, warum sollte man sich nicht auf den kleinen Fragenkatalog einlassen, den uns der edle Mensch mit seiner caritativen Ader zukommen läßt. Mit dem Hinweis: Beantwortung korrekt und innerhalb der nächsten 24 Stunden vornehmen wollte er uns sicher nur liebevoll foppen.

Haben Sie Kinder?

Wenn ja warum? Können Sie sich verpflichten keine mehr in die Welt zu setzen? Wenn es sich nicht vermeiden lassen sollte Kinder zu bekommen, weil Sie Ihre Triebe nicht im Griff haben, garantieren Sie wenigstens, dass es nur Mädchen sein werden?

Könnten Sie mir ersatzweise Sex mit Familienmitglierdern meiner Wahl anbieten?

Haben Sie die Absicht im Mietobjekt zu kochen?

Leiden Sie unter regelmäßigem Stuhlgang?

Sollten Sie die Inquisition überlebt und tatsächlich einen Mietvertrag erlangen, dann ist zunächst alles in Ordnung. Sie zahlen Monat für Monat, Jahr für Jahr und niemand belästigt Sie. Anrufe wegen defekter Rohre, klemmender Fenster, ausgefallener Treppenhausbeleuchtung oder ständiger steckenbleibender Aufzüge bleiben zurecht ungehört. Schließlich zahlt man nur dafür das diese Dinge vorhanden sind. Wer hat uns gesagt, dass wir sie auch noch benutzen dürfen. Ist doch klar, dass diese großzügigen Einrichtungen kaputt gehen, wenn man sie einfach mutwillig benutzt.
Eines schönen Tages entscheidet man sich, natürlich auch völlig mutwillig, grundlos geradezu, den einmal geschlossenen Bund fürs Leben mit dem Vermieter zu beenden. Nur weil man meint 10 Mieterhöhungen in 5 Jahren seien zu viel. Schließlich hat der sorgeberechtigte Vermieter unter Anwendung von viel Baullärm einige Veränderungen an unserem Heim vornehmen lassen. Hier eine kleine Auswahl des Festivals der Wohltaten, derer wir, ungefragt zumeist, teilhaftig werden durften:
Wir hatten nicht nur auf einmal wunderbaren milkafarbenen Struktturputz an der Fassade und im Treppenhaus, auch der 2 qm große Balkon in Richtung zur Hauptverkehrsstraße hat uns sehr viel Freude bereitet. Eine Briefkasteninnenbeleuchtung ist sicher nicht zu verachten.
Aus diesem umsorgten Dasein wollen wir nun entfliehen. Das gemachte Nest fristgerecht verlassen.
Es ist doch wohl klar, dass unser Vermieter persönlich beleidigt sein darf. Und wir Ignoranten begegnen ihm mit Verständnislosigkeit. Brabbeln irgendwas von Vertrag oder so und vom guten Recht, dass man hätte.
Darf man sich da wundern, dass unser Wohltäter uns nun zeigt, das er auch anders kann? Nach all den gemeinsamen Jahren in Harmonie? Haben wir die Strenge nicht verdient, mit der er uns zur Übergabe der Mietsache entgegegen kommt? Nach der Enttäuschung, die wir ihm bereitet haben? Warmherziger, mitfühlender Freund war vorher. Jetzt erleben wir den Nachher- Effekt und glaubten Untermieter bei Hitler gewesen zu sein.
Bereits während des Auftstiegs in unsere Dachgeschosswohnung, im 1. Stock, hören wir ihn rufen: Sie haben die Wohnung nicht renoviert. Das ziehe ich Ihnen von der Kaution ab.
Nie vergessen werden wir seinen traurigen Blick als er uns fragen mußte, sind Sie auf dem Teppichboden etwa gelaufen? Der ist ja völlig fertig! Nach nur 10 Jahren!!!
Haben Sie die Dusche und die Badewanne etwa benutzt? Unverschämt!!!
Unser zaghafter Versuch auf den Verschleiß nach 10 glücklichen Jahren in unserem Nest hinzuweisen wird nun schroff zurückgewiesen: Natürlich kann nach 10 Jahren etwas verschlissen sein, das aber ist kaputt. Die Wohnung ist unvermietbar in diesem Zustand! Wenigsten funktioniert die Klospüllung noch!
In diesem Moment könnten man vor Enttäuschung weinen oder zum wilden Tier werden, hätte man nicht die Gewißheit, dass man vor wenigen Wochen einen neuen, wirklich warmherzigen und wohltätigen Freund gefunden hätte, der uns gegen ein geringes Entgelt bei sich wohnen lassen wird und der schon mit den Schlüsseln für unser kleines Nest auf uns wartet.

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