Berühmt ?

„Kennen Sie Jörn Bastian?" Diese selten doofe Frage könnte Ihnen in Thüringen jederzeit gestellt werden. Jedenfalls bis zum 30.06.2001.

Sie haben die Möglichkeit höflich zu lügen und Ja! zu sagen. Das würde für Sie bedeuten, alle wissen nun, dass für Sie Jeder berühmt zu sein scheint der von mehr als zwei Menschen gekannt wird oder dass Sie bei der Landeswelle Thüringen arbeiten.

Sagen Sie Nein! kann das bedeuten , dass Sie resistent gegen orange gefärbte Plakatwände und überdimensionale Aufdrucke auf Bussen und Straßenbahnen sind, dass Sie niemals Landeswelle Thüringen hören, dass Sie in den letzten Wochen nicht in Thüringen gewesen sein können und dass Sie wahrscheinlich Geschmack haben.

Wer oder was ist er nun wirklich, dieser Jörn Bastian? Ein Sitzmöbel aus dem Hause IKEA? Ein schwedischer Pizzabäcker mit philippinischem Reisepaß oder ein holländischer Fußballnationalspieler? Nichts von alledem.

Jörn Bastian ist ... Ansager beim Radio, genauer gesagt, Sie ahnen es vielleicht schon, bei der Landeswelle Thüringen. Jeden Morgen nölt er gemeinsam mit einer Inka und einem Hendrik die Leute aus der Furzmulle.

Was ist schon dabei, werden Sie, geneigter Leser, sich mit einiger Berechtigung fragen.

Musik von CD abspielen und die Zeit ansagen, was ist da schon dabei?

Doch Sie kennen die Radiofritzen, denen genügt das einfach nicht. Die meinen immer, dass sie alles viel besser, schöner und vor allem neuer machen würden als alle Anderen, die im Besitz der Lizenz zum Senden sind. Vor allem glauben die aber, dass alle Menschen irgendwie doof sind. Aus diesem Mißverständnis heraus meinen nun die Damen und Herren von der Landeswelle der Konkurrenz von Antenne Thüringen früh morgens ein paar Hörer abnehmen zu können.

„Mein Name ist Bastian, Jörn Bastian und ich muß berühmt werden, so wollen es meine Chefs. Ich werde sonst entlassen, tralalalala und nun ein Superhit aus den 80er."

So tönt es nun rund um die Uhr aus dem Radio. Seine Sendung ist zwar immer am frühen Morgen aber alle, wirklich alle anderen Ansager müssen den ganzen Tag über „Mittrommeln" und den Menschen am Radioempfänger erzählen was der Jörn doch für eine tolle Type ist. Vor allem was er heute wieder putziges angestellt hat.

Jörn for President, rettet ihm seinen Arbeitsplatz! Was soll der arme Kerl machen damit er wirklich berühmt wird? Aufhören, auf einem Bein stehen und sich am Ohr kratzen?

Programmverantwortliche dieses Senders: Danke! Die Zeit in der tonnenweise langweilige Aufkleber unters Volk gestreut wurden, die sich viele Mitbürger an den teuren Metalliclack des Wagens hefteten, war glücklicherweise vorüber. Die Hoffnung ein kurzsichtiger Praktikant, des veranstaltenden Senders, würde sie für den Hauptgewinn von 2,50 DM entdecken hatte sich glücklicherweise zerschlagen.

Vorbei auch die Zeit als ahnungslose Anrufer mit Werbeslogans von Sendestationen angepöbelt wurden, weil die Angerufenen glaubten danach endlich ein Stück Butter oder einen Eimer Sangria ihr Eigen nennen zu können.

Wir waren endlich in einer Zeit angekommen in der man Musikstücke erkennen und per Anruf dem Sender kund tun muß: „Ja, ich höre Euch genau zu und gerade eben habt ihr dieses Lied gespielt". Kurze Pause, Spannung erzeugen nennt am das wohl. „Die Antwort ist richtig. Du hast eine 5- Minutenlatrine gewonnen. Welche Überraschung, denn dieses blöde Lied wird seit 24 Stunden angetrailert. Nur ein Vollidiot würde es nicht mehr erkennen.

Nun , da dieses Gebaren zu unserem Alltag geworden ist, holt uns dieser Jörn Bastian wieder ins Leben zurück. Diese geschundene Seele wendet sich an uns, mit der Bitte seinen Arbeitsplatz zu erhalten. Es ist nicht viel was wir tun müssen, einfach nur anrufen und ihm sagen: „Kopf hoch Junge!, Lebe geht weiter!, Mach doch einfach mal dies oder das!". Und wie dankbar nimmt er unsere Hilfestellung an, um sie umzusetzen. Was macht er nicht alles um seine grausamen Chefs zufrieden zu stellen, nur um sein kärgliches Leben wenigstens auf einem kümmerlichen Standard führen zu können.

Er kettet sich innovativ an Rathäuser an. Er mimt den Schulfunkmoderator. Das hat Gottschalk sicher auch gemacht - als er noch zur Schule ging.

Jörn im Kran vor einer Werbewand mit seinem Namen. Abends turnt er im lokalen Fernsehen herum und versaut uns Zuschauern den kultigen Einstieg ins Wochenende. Er ist der Erste der dort vernünftig gesprochen hat seit die auf Sendung gingen. Fernsehen mit Menschen die sprechen können macht keinen Spaß. Da fehlt sozusagen das Lokalkolorit

Kaffee und Kuchen verteilen macht das berühmt? In diesem Stil könnte man weiter seine Ruhmestaten lobpreisen.

Wer ist dieser Unermüdliche, dieser Held des Alltags überhaupt?

Auf der Website der Landeswelle finden wir nur wenig Hinweise darauf. Bei der Nennung seines Geburtsortes schlug erst einmal die „Lach- Dich- wach- Garantie" zu. Ich las tatsächlich so etwas wie Magendurchbruch. Doch dann begriff ich: eine ungelenke Wortspielerei. Es soll heißen: Magdeburg. Nachdem ich mir die Lachtränen aus den Augen getupft hatte, erfuhr ich, dass er in den Kindergarten ging und Frau Galle mit ihm fürsorglich umumging. Jörn malt gern und trägt am liebsten rote Socken. Klasse! Da war alles da was ihn dazu prädestinierte sich in die erste Garnitur der Prominenten dieser Welt einzureihen. Jenny Elvers kann noch weniger und wurde Heidekönigin!

Und doch er wird scheitern müssen, wenn es gerecht zugeht in der Welt. „Werden Sie berühmt!" Was ist das für eine Aufgabenstellung? Berühmt wie welche Person?, In welchem Umfang? und vor allen Dingen Wo? und bei Wem?. Fragen über Fragen. Er muß scheitern bei dieser unkonkreten Aufgabenstellung.

„Werden Sie berühmt!" Wenn sie mit ihm zufrieden wären, gäbe es diese Aufgabenstellung überhaupt? Sie wollen ihn also loswerden und er hat diesen ungleichen Wettlauf mit den Medienmoguln aufgenommen.

Oder wurden wir einfach nur verarscht und die Landeswelle gebar mal wieder einen unlustigen Furz wie den Starkomiker E, Bommel?

Täglich werden wir gefragt ob wir schwierige Fragen hätten, die dann von den klugen Menschen vom Radio beantwortet werden würden. Dieses neue journalistische Glanzlicht nennt sich Akte Y.. Da muß mal erst mal drauf kommen. Ich hätte da auch eine Frage, die ist aber ganz einfach zu antworten: wer ist dieser, durch die Nase sprechende Typ, von dem behauptet wird er wäre Udo Lindenberg (Lach- Dich wach- Garantie!)? Könnt ihr nicht darüber reden? seid Ihr in der Hand dieses Menschen? Soll ich Aktenzeichen XY einschalten? Beweise werden ja hinreichend gesendet.

Leute am Telefon zu verarschen ist nicht schlecht, wenn es gut gemacht wird. Ja, wenn das Wörtchen Wenn nicht wäre.

Lieber Jörn Bastian, machen Sie einfach bis zum 30.06. so weiter und nehmen Sie sich dann einen Anwalt. Klagen sie sich wegen erwiesenen Mobbings wieder in den Job. Ein paar Leute werden das, was die Geschäftsführung mit ihnen veranstaltet hat, gehört haben und Ihnen als Zeugen zur Verfügung stehen. Ich auch!

Nach dem gewonnenen Prozeß bestimmt Sie dann der Aufsichtsrat zum Geschäftsführer.

Wenn Sie dann in Amt und Würden sind verändern Sie was Sie wollen aber die Musikauswahl bitte nicht.

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