Haste mal ne Mark?

Die Tage sind gezählt, daß wir diesen Spruch in den Fußgängerzonen Deutschlands hören werden! OOOOOOOOOHHHHHHHHHH, AAAAAAHHHHHHHHH, ja gib ihn mir, laß mich ihn in die Hand nehmen. Der Euro kommt und alle , alle stöhnen sie. Jedoch nicht vor Freude.

Seit dem 17.12. kann jeder sein Begrüßungsgeld, in Form von Hartgeld, bei der Bank seines Vertrauens, gegen 20 Deutsche Mark, eintauschen. Wobei das Wort "hart" vielleicht etwas übertrieben erscheinen mag. Dieser Tag wurde von einigen Journalisten sehnsüchtig herbeigeschrieben. In vorauseilendem Gehorsam wurde täglich in Presse, Funk und Fernsehen über den Ansturm auf das Eurokleingeld orakelt. Geldinstitute entschlossen sich zu Nachtöffnungszeiten.

Wen es nicht interessierte war der Bürger. Kein Tanz auf den Straße! Party unterm Brandenburger Tor? Fehlanzeige! Nur ein paar Rentner mit Schlafstörung und inkontinentem Pudel und bestellte Statisten fürs Pressefoto konnte der Euro auf die Bank locken. Jetzt liegt er vor mir der sogenannte Starterkit. Eine Eurotüte mit Spielgeld. Keine Währung wird wohl so ungeliebt ins Rennen geschickt. Mit der vorgeschobenen Ausrede, man bräuchte jetzt im Urlaub kein Geld mehr tauschen versuchte man uns diese Schokotaler schmackhaft zu machen. Nur, was machte Opa Alfred, der schon seit 35 Jahren nach Braunlage fährt?

Ich wollte keinen Euro vor der Zeit im Hause haben. Eine wohlwollende Bekannte brachte uns jedoch eine von diesen Eurotüten ins Haus und nun liegen sie vor mir, die "Aluchips" der Neuzeit. Ein wenig Wehmut empfinde ich schon beim Abschied von der guten alten D- Mark. Wir hatten so wenig Zeit miteinander. Erst 1990 kamen wir auf Dauer zusammen.Vorher lebte ich in der Ostzone. Wir hatten doch nichts, nichtmal eine richtige Währung. Gut, daß uns Tante Griseldis und und Onkel Hartmut mit ihren abgelegten Sachen und Albrechts- Kaffee am Leben erhielten.

Endlich, im Juli '90 war sie auch unser, die DM! Jetzt hatte sie jeder, aber es gab keine Intershops mehr! Irgendwie haben wir es aber doch geschafft sie aus zu geben.

Jetzt leben wir in der Eurozone. Damit haben wir kein Problem. Zone, wir kennen das ja schon. Was passiert aber mit dem Wessi, wenn ihm klar wird, daß auch er nun ein Zoni ist?

Sie kennen das: Sie fahren in den Urlaub nach Frankreich, die Bank hat ihnen aber nur Francscheine getauscht und die nächste Mautstelle erwartet, natürlich, Kleingeld von ihnen. Umgekehrt verhält es sich, wenn sie heimkehren. Jetzt haben sie die Taschen voller Kleingeld. Keiner, außer ihrem Schrotthändler will es haben. Kaum ist aber bekannt, daß die nationalen Währungen verschwinden sollen, kommen sie aus ihren Löchern, die Raffkes. "Geben sie uns den Rest! Wir tun gutes mit ihrem Geld. Nach Abzug unserer Fixkosten bleibt noch ein gutes Drittel davon übrig!" Ach so, denke ich auf einmal kann man Münzgeld doch zurück tauschen. Ich denke, ich werde jetzt doch lieber Numismatiker, bei den abgeschlossenen Sammelgebieten!

Angetreten ist die große Konkurrenz zum Dollar mit 1,18 €, jetzt hat sie kaum noch bei 90 ct. Nicht mal der Eintritt in den Krieg, sonst immer ein Allheilmittel, konnte daran etwas ändern. Wenn neben mir einer "unterbewertet" sagt kriege ich Atemnot und Pickel.

Das statististische Bundesamt hat in mühevoller Kleinarbeit herausgefunden, das mit der Einführung des Euro die Preise steigen werden. Nein, da legst di nieder. Vielleicht hätten diese Strategen einfach nur mal in die Geschäfte gehen müssen, um das heraus zu bekommen. Wer täglich einkauft, der weiß das schon lange!

Manches ergibt sich aber zwangsweise. Zum Beispiel der freundliche Punk in der Fußgängerzone: "Haste mal nen Euro?" sagt sich etwas flüssiger als "Haste mal 50 Cent" !

 

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