Die wahren Geheimnisse des Lebens

Am 23. September 2002 habe ich drei Kreuze gemacht. Die staatsbürgerlichen Rechte wahrgenommen. Die beleidigte Weißwurst ist wieder jenseits des gleichnamigen Äquators angelangt und koordiniert, die angekündigte Total-Opposition. Es heißt in Abwandlung des Jonny-Walker-Slogans: Die Wahl ist vorbei,der Kandidat bleibt! Wir werden wohl wieder viel Spaß in den nächsten Jahren haben.
Manchmal, in den nun wieder sehr stillen Stunden, werde ich sehr nachdenklich. Die wahren Geheimnisse des Lebens deren Lösung wir noch nicht kennen, drängen wieder mit Macht in unseren Brägen. Dann ist es soweit: Es überkommt mich ein wenig Weltschmerz und mir fällt etwas auf: Da wird nun geforscht und geforscht! Die Phänomene des Lebens bleiben weiter im unerklärt. Zum Beispiel: Warum sind in Berlin die Dönerportionen doppelt so groß?, Warum gehen Fußgänger mit Vorliebe auf engen Straßen, anstatt die daneben liegenden Fußwege zu nutzen? Sind Diktatoren mit eigenen Ölfeldern gefährlicher als solche ohne?
Einem Geheimnis bin ich in diesen Tagen entscheidend näher gekommen: Wo kommen eigentlich die vielen Veronas her, die durch unser Leben naddeln, daß einem die Ariane platzt und einem der Dieter übergeht?
Es gibt geheime Laboratorien von "Bunte" und "Bild" in denen sie schon seit Jahrzehnten, von der Menscheit unbemerkt, zusammengebaut werden und unter uns gemogelt werden. Ein Modell nannte man Jenny Elvers und wurde bereits vor Jahrzehnten an Heiner Lauterbach ausgeliefert, jedoch noch vor Ablauf der 50jährigen Garantiezeit wieder zurück gegeben. Sehr erfolgreich waren auch die Modelle Verona, Naddel und Ariane. Die männlichen Pendants hießen zum Beispiel Jürgen Drews und Dieter Bohlen oder Gottlos Fischer. 100% sicher haben sie nie funktioniert. Abgesehen von ihrer großen Peinlichkeit und rhetorischem Unvermögen fielen sie aber kaum auf und existierten unter uns wie richtige Menschen. Sie erfüllten ihren Zweck als mehr oder weniger hoher Unterhaltungswert des Lebens. Ein kleiner Furz des Zeitgeistes sozusagen. Immer, wenn eigentlich tote Hose im Bereich des sogenannten Boulevardjournalismus herrschte, wurden diese Naddels und Dieters hervor gekramt und Geschichten über sie in Umlauf gebracht. Da konnte man schon mal von der Luderliga lesen und für einen gebrochenen Pimmel waren sie allemal gut. Jetzt wissen wir endlich auch was ein Kilo Silikon wiegt, wenn man es in eine Naddel schiebt oder wieviel Gramm der Sack von Grotthelm Fischer auf die Waage bringt. Die Legendenbildung war soweit ausgebaut, daß sogar richtige Biographien über ihre Kindheit und Jugend kurisierten.Angeblich sollen einige Exemplare sogar einer mehr oder weniger geregelten Arbeit nachgehen oder gar lesen, schreiben und komponieren können. Der Mensch glaubt was er glauben will.
So weit so gut oder schlecht. Wie erst jetzt aus unheimlich gut informierten Quellen zu erfahren war ist dem Hersteller dieser Klone eine Panne unterlaufen. Es wurden mehrere dutzend fehlerhafte Mutanten gestohlen. Es gab jedoch keine Lösegeldforderungen. Vor einem Jahr tauchten sie wieder auf, als Moderationscomputer beim Fernsehsender "Scheiße hoch neun".
Man hatte den hochtechnisierten Schöpfungen, extra für das Salm-O-Nellen-TV das Restgeschmacksempfinden und das, rudimentär vorhandene, Peinlichkeits-Gen entfernt und sie in ein Studio gesperrt wo sie mehrere Stunden hintereinander die Botschaft "Ruf mich an" an paralysierte Zuschauer, die mehr oder weniger zufällig auf diesen Kanal gestoßen waren, weitergeben. Der an uns gerichtete Impuls war, die menschliche Gier nach dem schnöden Mammon. Der "Ruf mich an und ich schenke Dir dieses Geld"- Müll wird 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche durch die Wohnzimmer geldgeiler Mitmenschen gepeitscht, von denen der eine oder andere noch nicht einmal weiß welche Farbe das rote Kreuz hat. Es gibt alte Serien, aus schlimmbesseren TM3- Zeiten, mit lustigen Fragen, die nichts mit dem alten Schinken zu tun haben, der gerade gesendet wird oder wurde. Die eigentliche Innovation sind jedoch die "eigenen Quizsendungen". Jeder Anruf kostet Sie 49 cent, wirklich jeder, auch die vielen, vielen Versuche bei denen Sie nicht durchkommen.
Sein Sie dabei, wenn Jürgen Drews seine Arschimplantate durch Studio trägt und selbst im Vollplaybackverfahren erkennen läßt, daß er den Text vergessen hat. Anschließend werden eine oder mehrere Möchtegern-Schlagerstars vorgestellt, die ihr Untalent zur Schau stellen dürfen. Verpassen Sie auf gar keinen Fall den Nachfolger der Sendung "Greif an", in der um die persönlich Portokasse des Pförtners gespielt wurde. Jetzt heißt es vielversprechend "Greif ab" und ist die Aufforderung der Ansageklone an die Chefredaktion, sich tüchtig die Taschen voll zumachen. Bis zum Showdown wenn ein Grinse-Roboter mit Maske vor der Larve, versucht 3 pinkfarbene Tischtennisbälle aus 1000 gelben herauszufischen. Bringt im schlimmsten Fall für den Probanten am Ende der Leitung 250 000 €.
An einem späten Montagabend, ich muß wohl beim warten auf eine Folge von MASH, eingeschlafen sein, weil der bekloppte Schürmann wieder mal kein Ende gefunden hat, stieß ich auf eine Weiterentwicklung des "Sendekonzeptes". Es ist gelungen sogar grenzdebilen Fällen dieser Spaßklons Sendungen zu verpassen und potentiellen Zielgruppen aufzudrängen.
"Alles auf Rotlicht" wird präsentiert von etwas das sich selbst Lydi nennt. Ihre Kenntnisse in deutscher Rechtschreibung können wir nicht überprüfen! Vermutlich hat sie beim anschließenden Chat einen Ghostwriter (den gleichen wie uns Dieter-ich renn-nackt- in -den- Wald???). Jedoch was den mündlichen Ausdruck und die deutsche Grammatik angeht vemittelt sie uns einen ersten ungefähren Eindruck- 6! Setzen! Ziel der Show soll es sein Fragen? , diesmal aus dem Fickelbereich zu beantworten.
Ausgangssituation: Lydi ist relativ angezogen und hat unter der Wäsche Geldscheine angeklebt bekommen. Zum Schluß ist sie fast nackig und das Geld ist fort. Während der Übertragung räkeln sich im Hintergrund ein schwuler Eintänzer aus dem Frauengefängnis, mit der Physiognomie eines unehelichen Sohnen von Karl Dall und Dieter Hallervorden und eine leicht komatöse, ältliche nackte Frau. Sie sollen unter Ausnutzung aller künstlerischer Freiheit, den Begriff einer mittelhochdeutschen Ehestandsbewegung im darstellenden Spiel ausdeuten. Lydi hilft gelegentlich mit den bescheidenen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Insgesamt ist die Sendung mit der Lydi sowieso mehr auf optische Reize angelegt. Also zumindest, wenn man voraussetzt, daß der geneigte Konsument vorher mindestens 4 Quadratmeter Regenwald nach der Jauchschen Definition gerettet haben sollte.
Perlen deutschen Sprachgutes wie:

-"Ich muß mich ausziehen, wie Ihr wißt",

-"Ihr könnt mit mir chatten unter der Nummer www.......tv, bitte nicht in langen Sätzen",

-"... wie nennt man die Titten nochmal?",

-"...bis dahin müssen sie uns eine Uhr genehmigen, die mit einer Minute bestückt ist",

-" ...es wird schon ganz heiß im innerlichen meines Piercings" oder " ...den nächsten Anrufer meiner Gefühle..." sollte man schon mal in Ruhe auf sich wirken lassen.

Manchmal frage ich mich schon wie die eigentliche Zielgruppe das Kunststück fertig bekommt noch zu telefonieren. Mit ziemlicher Sicherheit hat die keine Hand mehr frei, um auch noch den Hörer zu halten.

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