Glaubenszeichen

In deutschen Landen sind Kirche und Staat getrennt. Das weiß doch jeder! Spätestens nach dem Urteil der Verfassungsrichter zum Religionsunterricht an brandenburgischen Schulen.

Stellen wir uns mal ganz dumm und stellen uns vor was passiert, wenn die Regierung ausdrücklich die Trennung zwischen Staat und Automobilklub erklären und in das Grundgesetz aufnehmen würde.

Mit der Geburt ihres Sprößling können Mitglieder entscheiden, ob er mit Motorenöl getauft werden soll im Namen des ADAC, des AvD und des heiligen ACE. Mit dem Beginn der ersten Klasse kommen die Lehrer der Automobilklubs in die staatlichen Schulen,unterrichten ihre Satzung als Richtschnur des Lebens und berichten über die ihre Geschichte seit der Menschwerdung und zeigen den lieben Kleinen wie Autorennfahrer anzubeten sind. Kinder deren Eltern keinem Automobilklub angehören, schlimmer noch vielleicht sogar Sektierer im ADFC sind, werden von staatlichen Lehrern in dieser Zeit über die Automobilklubs informiert.

So geht es schon seit Jahrhunderten und niemand denkt sich etwas dabei. Besonders in Bayern der Zentrale des ADAC. Sicher, früher wurden Nichtmitglieder verbrannt, doch von solchen barbarischen Ritualen hat man sich getrennt. Man würde sonst auch die halbe Menschheit ausrotten müssen.

Mit der ersten Lohnsteuerkarte muß sich das Mensch gewordene Kind entscheiden, Mitglied oder Nichtmitglied! Wenn es nicht ausdrücklich dem Finanzamt und dem Einwohnermeldeamt sein Heidentum offenbart, wird es ohne Nachfrage als Mitglied eingestuft und die monatlichen Beiträge werden vom Lohn abgeführt. Bei Berechnungen für Arbeitslosigkeit und Rente wird natürlich so verfahren als ob er Zeit seines Lebens Mitglied in der Gemeinschaft gewesen wäre. Da drückt Justizia schon mal ein Auge zu, wenn Frevler den finanziellen Verlust einklagen wollen.

Passiert irgend etwas auf der Welt melden sich die Automobilklubs zu Wort, um die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten. Im Namen des automobilen Abendlandes wird gefordert, dass sich alle Menschen dieser Erde an die heilige Satzung der Automobilklubs zu halten haben, auch wenn sie den heidnischen Ritualen von Ruderern, Fußgängern und Radfahrern huldigen sollten.

In Presse, Funk und Fernsehen, dürfen sie mitreden, die Priester des heiligen Bleches, sogar über inhaltliche Dinge. Gut daß es die morgendliche Ansprachen zum Volk gibt. Ich würde sonst nie aufstehen.

Die strengläubigsten Vertreter leben nur für ihren Klub und haben allen anderen Dingen des Lebens entsagt.

Was heißt hier, die Mehrheit der Menschen ist nicht mehr Mitglied im Automobilklub? Autofahren ja aber deshalb muß man sich doch nicht organisieren! Auf solche kleinlichen Argumente kann man nun wirklich keine Rücksicht nehmen. Schließlich kann man auf eine lange Tradition zurück blicken. Außerdem, an den gesetzlichen Feiertagen für Autofahrer geht ja schließlich auch kein Ungläubiger auf Arbeit!

Besonders um die Menschen in der ehemaligen DDR muß man sich kümmern, schließlich hatten die ja 40 Jahre schlechte Autobahnen, 18 Jahre Wartezeit auf ein autoähnliches Gefährt und mehr als 5 Jahre Anmeldefrist auf den Führerschein. Und ausgerechnet diese undankbaren Subjekte strömen in Massen in die Ämter, um sich beglaubigen zu lassen, daß sie Nichtmitglieder sind! Es ist nicht zu fassen.

Ich persönlich habe aufgehört an meinen Klub zu glauben, als 1989 immer mehr Prediger das Cockpit verließen, um in die Politik zu gehen.

Es ist ein Glück, daß nicht jeder Verein ausdrücklich auf die Trennung vom Staat besteht. Wir würden von den Ämtern gar nicht mehr herunter kommen, um unseren Austritt zu erklären.

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