Wie Arsch und Friedrich

"Ich will Dir singen Herr, Deine Taten haben mich froh gemacht..."

Danke, Frau Räthel, für diesen frühen Beistand vor dem Grand Prix de la Chanson 2002. Es ist mir eine liebe Angewohnheit geworden Gottes Beistand vor der Ausstrahlung dieses bedeutenden Schlagerwettbewerbs einzuholen. Den einzigen, den ich mir überhaupt anschaue. Es war dieses mal besonders wichtig für mich, da sich kein Mensch aus meinem Umfeld dazu bereit erklärte, diesen Abend mit mir zu durchleiden. Einzig eine Flasche Dörnfelder und ein Glas leisteten mir vor meinem Fernsehgerät, in einem Nebenzimmer gelegen, Beistand in diesen schweren Stunden.

<<"Mein Bauch sagt JA, aber mein Verstand sagt vielleicht, vielleicht, vielleicht." Schlagerproduzent Ralf Siegel zu den Siegeschancen von Corinna May>>Thüringer Allgemeine 22.05.2002
ralf
presse
"Komponist Ralph Siegel, der mit «I Can't Live Without Music» seinen 16. Song beim 13. Grand Prix ins Rennen geschickt hatte, übte heftige Kritik am deutschen Auftritt. «Der ganze Auftritt klang wie Arsch und Friedrich», sagte er dem «Münchner Merkur». Der Chor sei schwach gewesen «und der ganze Sound war einfach nur grauenhaft». Auch mit dem Auftritt Mays war Siegel nicht zufrieden. «Es ist einiges nicht so gelaufen, wie es sollte, da kamen mehrere Dinge zusammen.» "26.06.02 Münchner Merkur-online"

Nur vier Tage stehen zwischen diesen beiden Aussagen vom alten Schlagergruffti Ralf- Ich-bin-derGrand-Prix-Siegel. Was will uns der schleimige Grottenolm damit sagen? Das Lied war toll nur seine Sängerin war scheiße oder hatte schlimmes Schambeinbrennen an dem Abend? Machen wir uns nichts vor. Wir wußten seit jenem denkwürdigen Vorausscheid, daß Deutschland nicht wirklich mit dem besten Lied auf die Reise in die baltische Republik geschickt wird. Das hat man davon, wenn nicht Klasse, sondern Masse zählt. Die mit der besseren PR Maschinerie setzen sich durch und plazieren sich auch besser. Sogar unsere Hundepfeife Michelle, setze sich mit ihren Ultraschallgeräuschen im vergangenen Jahr unter die ersten 10. Sah eben besser aus als andere. Beim Schlager ist Stimme zweitrangig. Sonst wäre vielleicht Joy Fleming gefahren?

Platz 21,viel schlechter noch als der von ihm sehr verachtete Stefan Raab. Das muß Großmeister RaSie schon schwer übelnehmen. Aber solche Worte im Münchner Merkur über seine hochgelobte Interpretin und ihr Gefolge? Was hat er dann die ganze Woche in Estland gemacht? War es nicht sein Job dafür zu sorgen ,daß die Show steht? Warum läßt er den Chor herumzappeln wie einen Schwarm Epileptiker während Corinna von einem Bein auf das andere hippelt, als ob sie sich gleich in die Hose machen würde?

Ich frage mich sowieso warum sich Menschen diesem Wettbewerb überhaupt aussetzen. Wieviele Teilnehmer sind, aufgrund ihrer Leistungen, beim Grand Prix in den vergangenen Jahren länger als 3:50 Min. weltberühmt geworden? Hätte Herr Raab mit seiner Spaßfraktion den verschnarchten Schlagerladen nicht zweimal kräftig aufgemischt, würde die ganze Aktion wahrscheinlich heute hinter verschlossenen Türen oder als Ersatz für das Testbild bei Programmausfall stattfinden.

Es fing alles an wie immer Axel "Bulti" Bultahupt moderierte die After- Party in Hamburg und Peter Urban grummelte, dezent aus dem Off, seinen Kommentar zu dem was ohnehin zu sehen war.

Das große Rahmenthema der Veranstaltung lautete Märchen. Da siegelt immer das Gute dachte ich mir. Leider trog diese Hoffnung. Kleine Einspieler leiteten immer irgendwie zum nächsten Titel über und wenn in irgendeinem der teilnehmenden Länder eine Werbepause angesagt war, dann kam das nette mehrsprachige AnsagerInnenpärchen und machte Quatsch oder Musik. Sie, Opernsängerin, ausgestattet mit der Sprechstimme von Verona Feldbusch und er, Schausspieler, trägt die alte Frisur von Bernd Herzsprung auf.

herzsprung marcound anelie bulti

Der Gedanke, daß es sich, womöglich wirklich, um die besten Beiträge der jeweiligen Länder handeln sollte, machte mich schaudern. Hier kurze und spontan entstandene Asoziationen beim Konsum während der Übertragung:

zypern england
1.Zypern. Mehr Einsatz beim Gesang zeigen! Zappeln allein genügt nicht! 2.Großbritannien: Nette Stimme im Outfit Britney& Sara Connor, hatte sie einen Schlüpfer an?
spanien griechenland
3.Spanien: Wuchtbrumme mit Temperament 4.Griechenland: Star Wars für Arme, einmal Sirtaki bitte, der alte Alexis Sorbas spendet beim drehen in der Gruft Frischluft.

austria

kroatien
5 Österreich: Naja Ortega, der geklonte Ricky Martin. 6. Kroatien: Danke Backgroundchor, hast die Stimmlosigkeit der Darbietung abgemildert.
russland estland
7. Rußland: Boygroup für Menschen, die sonst noch keine gesehen haben. 8.Estland: Schwedin mit stimmungsvoller Dutzendware

mazedonien

israel
9. Mazedonien: Regionalgefärbter Ethnopop 10. Israel: Ein bissschen Frieden reicht nicht! Wie ist die an die Frisur von Kim Fischer gekommen
schweiz schweden
11. Schweiz: Wer kommt denn da aus seiner Schublade geklettert? Ja bin ich denn beim Grand Prix der Volksmusik? Mußte Schmalztopf 2x wechseln! Lass es Borer- Fielding werden. Kommentar von Peter Urban: "Wie die junge Uschi Glas" 12. Schweden: Die erwartete Nr. 1 . Warum eigentlich? Destenys Child oder Silver Convention, das ist hier die Frage.
finnland denmark
13. Finnland: Gar nicht mal so schlecht, was macht die bei dem Wettbewerb? 14.Dänemark: In bester Tradition der Olsenbande. Auf die Dauer langweilig
bosnien belgien
15.Bosnien Herzogowina: Die Biene Maja oder doch der dicke Willi. Schönen Gruß aus den 70er. 16. Belgien: Es waren dann doch wohl ein paar Bier zu viel.
frankreich deutschland
17.Frankreich: Eine große Stimme für eine große Schnulze selbstverständlich in Landessprache! 18. Deutschland: Nette Dutzendware aus dem Hause Siegel zu hoch gehandelt.
turkye malta
19. Türkei: Willkommen bei Öger- Tours. 20. Malta: Ganz nett.
romania
slowenien
21.Rumänien: Mal bei Stella Musical nachfragen, ach ne die sind ja kurz vor der Pleite und können ihre Trauerlieder selbst singen. 22. Slowenien: Travestie, endlich mal was neues war ja noch nie da.
lettland litauen
23. Lettland: Lou Bega für Feminitstinnen A little bit Durchschnitt und trotzdem gewonnen. Ausschlaggebend war wohl die"gewagte Wandlung" vom Latino zur Latina. 24.Litauen: Herr Urban sie Haben gesagt der kann auch singen! Was? Harpo lebt, aber ohne Stimme.

Wir gehen über zum spannensten Teil des Abends .Damen und Herren verteilen die Punkte ihrer Länder . Nicht ohne zuvor über die große Show zu schleimen und in der Gastgebersprache zu radebrechen. Man kann ja nie wissen. Mit etwas Pech gewinnt man die Scheiße und muß den Mist beim nächsten mal selber ausrichten. Da will man schließlich auch ein paar freundliche Worte zu hören bekommen. Da waren wir mit Platz 21 auf der sicheren Seite.

Die gute Nachricht, wir sind im nächsten Jahr nicht die Veranstalter. Die schlechte, wir sind trotz Abstiegsplatz im nächsten Jahr wieder dabei. Eine Regelung, die ich für unverständlich und ungerecht halte, wie das Vetorecht bei den Vereinten Nationen. Was sagen eigentlich die FDP und Stefan Effenberg dazu.

Wie kommt ein solches (ungerechtfertigt) schlechtes Ergebnis eigentlich zustande? Vielleicht haben wir gegen die Süd- und Nordfraktion eine Chance, in dem wir die Bundesrepublik als Förderation auflösen und jedes, dann souveräne Bundesland mit einem eigenen Titel antritt? Die selbstverständlich alle vom Erfolgsduo Siegel/ Meinunger stammen. Die ehemaligen Bundesländer geben sich dann gegenseitig die Punkte. Einer von uns ist dann immer der Sieger: Ralf Siegel!

Dann ist so eine Abstimmung unmöglich:

1.Zypern: nichts 7.Russland: 2 Punkte 13.Israel: nichts 19.Frankreich: nichts
2.England: nichts 8.Estland: 1 Punkt 14.Schweiz: 3 Punkte 20.Bosnien: nichts
3.Österreich: der 1. Punkt 9.Griechenland: nichts 15.Schweden: nichts 21,Belgien: nichts
4.Griechenland: nichts 10.Finnland: nichts 16.Litauen: nichts 22.Slovenien: nichts
5.Spanien: 2 Punkte 11.Malta: 4 Punkte 17.Türkei: 3 Punkte 23.Lettland: nichts
6.Kroatien: nichts 12.Mazedonien: nichts 18.Rumänien: 1 Punkt 24. Dänemark: nichts

Apropos Ralf Siegel: Vor dem Grand Prix 2002 hat er gesagt, dieser sei sein endgültig letzter. VERSPROCHEN IST VERSPORCHEN!!!!

Bilder vom Grand Prix in Estland

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