1.Die grauen Eminenzen

„Wir sollen den dritten Satz schon mal anfangen." Diesmal war dies keine Feststellung aus dem Deutsch- Unterricht an unseren Schulen, sondern kam aus dem Bereich des Sportes. Genauer gesagt fiel er zwischen 21.00 und 21.15 Uhr in einer Turnhalle im Erfurter Norden. Einige Jugend- Mädchen- Mannschaften trafen sich zu ihren regelmäßigen Punktspielen an diesem Ort.

Es war das letzte Spiel. Nach Sätzen stand es 1 : 1. Der Dritte sollte nun die Entscheidung bringen. Angstvolle Blicke der Spielerinnen und der Trainer, werden wir ihn spielen dürfen? Nach kurzer Verständigung wurde ein Parlamentär auserwählt, der die schwierigen Verhandlungen mit Ihr der Herrin über diese Zeit und diesen Raum führen sollte. Atemlose Stille erfüllte die Turnhalle, alle waren bis zum bersten gespannt. Dann endlich nach einer kleinen Ewigkeit fiel der erlösende Satz:

„Wir sollen den dritten Satz schon mal anfangen." JAAAAAAA !!!. Jubel ohne Ende durchflutete die Halle. Mit einer Leichtigkeit, die niemand zu erhoffen wagte, ging die Partie in ihre entscheidende Phase. Der Ball flog einer Feder gleich hin und her und her und hin. Nicht lange und es stand 9 : 5.

Diese Leichtigkeit des Seins fand aber unversehens sein Ende. Das Unheil nahte schweren Schrittes. Die Herrin über diese Zeit und diesen Raum nahte . Das verschmitzte Lächeln in ihrem Antlitz konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie wohl etwas Böses vorhatte. Drohend stellte sie sich mit Ihrer ganzen Mächtigkeit neben die Schalter, zählte bis drei. „ Bitte nicht! Bitte, wir sind doch gleich fertig!" Fast kniend flehten die Spielerinnen um Gnade. Doch sie löschte das Licht.

Unfassbar, eben noch Lichtgestalt jetzt Göttin der Nacht. Die Halle war dunkel wie ihre Seele. Doch weder Trainer, Spielerinnen oder gar Zuschauer wagten der Herrin über diese Zeit und diesen Raum zu widersprechen . Im Gegenteil, fast zwanghaft verspürten die jungen Mädchen auch noch den Wunsch das Spielfeld abzubauen. Das machte die Schmach perfekt. Nun hatte man den Kakao durch den man gezogen wurde auch noch getrunken. Das Spiel durch einen nicht beendeten 3. Satz entschieden. Die ganze Tragik der Menschheit fand hier ihren Niederschlag.

Mutlos zog ich heim. Angstvoll näherte ich mich meinem Fernsehgerät. Heute sollte noch Sport im TV gezeigt werden.

Doch ich traute mich nicht das Gerät einzuschalten.

Es könnte doch sein, dass demnächst die Verlängerung entfällt, weil der Platzwart Stunden abbummeln muss. Boris und Steffi spielen ihre dritten Sätze nur noch als Tie-Break aus, weil der Platzwart heim will. Selbst schuld, was spielen sie auch so lange.

Einzig der Gedanke die Spiele der deutschen Fußball Nationalmannschaft könnten ausfallen, weil der Fernsehmoderator kotzen muss, der hat was.

 

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