Zeit für Tüten!

Der Bundeswahlleiter informiert: Die Bevölkerung wird aufgefordert ihre Stimme zum Endausscheid des Bundesplakatwettbewerbes abzugeben. Die Stimmabgabe ist notwendig geworden, da inzwischen 4 Jahre vergangen sind und die Plakate wieder mal zum lüften aus den Kellern und von den Speichern geholt werden müssen. Letzter Termin der Stimmabgabe ist der 22. September 2002. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Wahlkampfversprechen nicht einklagbar sind und am Tag nach der Wahl sofort vergessen werden müssen. Das verhält sich so wie mit den Treueschwüren vor dem Aschermittwoch. Zuwiderhandlungen werden mit Steuererhöhungen nicht unter 5 % bestraft!
"1000 D- Mark Kindergeld für alle Deutschen!" konnte ich auf Plakaten der NPD, bei der Ortsdurchfahrt von Neuruppin lesen. Darüber sollten die vielleicht nochmal bei einem gepflegten Döner Kebap oder einer knusprigen Ente süß- sauer, in aller Ruhe nachdenken lassen. Oder?
Nicht, daß die anderen besser wären, die sagen aber besser überhaupt nichts als so etwas. Die Grünen: "Renate Künast deckt auf! "Dachdecker aufgepaßt! Wäre das nicht ein Slogan für Sie: Meister Müller deckt Dach? Wenn die Grünen wieder öffentlich für die Legalisierung weicher Drogen eintreten würden, könnten sie den CDU- Spruch abkupfern und in "Zeit für Tüten" umtexten?
Gerhard Schröder ruft uns von den Plakatwänden zu: "Ziel meiner Arbeit ist es, daß alle Arbeit haben!" Das hat so viel Informationsgehalt wie : "Der Zweck einer Kartoffel besteht darin satt zu machen !"
Die SPD:"Wir schaffen das!" Was bitte?
Die CDU: "Zeit für Taten!" Wie? Jetzt erst? Außerdem behaupten die "Aufschwung beginnt mit den Köpfen!" und das vor den alten Köpfen Merkel und Stoiber. Was ist wenn der Kalk die Rübe verlassen und der Schwerpunkt sich verlagert hat? Danke, daß sie mir wenigstens den Anblick von Merz und Meyer erspart haben. Im Kyffhäuserkreis (Thüringen) wirbt ein CDU-Mann namens Witzleben(!) mit der Behauptung: "Ich bin kein Politiker!". Noch nicht? Also Lehrling? Und ich dachte immer, die hätten alle einen Vertrag mit der lustigen FDP. Oder welche Bedeutung hat die Zahl 18 auf jedem Plakat?
Halten wir fest, die Phrasenfestspiele der Parteien haben nur die Aufgabe davon abzulenken, daß sie sich eigentlich durch nichts unterscheiden. Was machen sie also? Das gleiche was Ottonormalverbraucher auch macht, wenn er ein paar Pickel abdecken will, er schminkt sie weg oder er geht zum Profi, in dem Fall zu einem Kosmetiker.
PR Agenturen und Imageberater sind die Kosmetiker der politischen Parteien. Diese sogenannten Profis sind ganz scharf drauf diese Aufträge zu bekommen. Erstens gibts richtig viel Kohle dafür und zweitens ist es eine Herausforderung gottgleich etwas zu schaffen, daß es eigentlich gar nicht gibt. Etwas unabhängig von der objektiven Realität als Wahrheit zu verkaufen. Das ist so als ob sie erfolgreich Kuckuckusuhren verkaufen und in der Lage sind dem Käufer auch noch das Vogelfutter dafür anzudrehen.
Gerhard-mit der ruhigen Hand-Schröder setzt da ganz auf sich und tritt gegen sich selbst an. Stellenweise hat man den Eindruck, daß er die vergangenen vier Jahre gar nicht regiert hat. Unter Ausnutzung aller Zufälle läßt er den Eindruck vermitteln der Macher zu sein. "Ärmel- hoch" und los gehts. Außerdem ist er auch noch Staatsmann.
Im Kanzleramt brennt noch Licht, der Schröder schläft nicht. Doris hol mir mal ne Flasche Bier und ne Currywurst, ich muß heute die Nacht durchregieren- mein Volk braucht mich! Das kann man natürlich nicht so auf die Plakate schreiben, darum vermittelt uns der Kanzlerwahlverein unter seinem Geschäftsführer Müntefering diese Botschaft nonverbal von allen kleinen und großen Werbeflächen herab.
Die Leute von Stammel- Ede gehen da etwas subtiler vor. Sie lassen ihn von Meister Spreng, dem Macher von Kanzler Schröder designen. Das schien nur auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein. Herausgekommen ist ein Schröderklon. Nur eben ohne Seele.
Sogar duellieren wollten sie sich in diesem Jahr, zweimal sogar. Nach dem ersten mal waren alle enttäuscht oder begeistert, daß Stoiber nicht alle mit Frau Merkel angesprochen hat und drei Sätze geradeaus reden konnte. Jedem der das erwartet hatte möchte ich zurufen: Hallo, der hatte einen Tiertrainer, der ihm beim auswendig lernen seines Textes geholfen hat. Beim zweiten mal trugen beide sogar die gleichen Krawatten. Schröder blieb sich treu. Wer hat da wohl gewechselt? Sollte der beste Mann der SPD bei der Konkurenz gearbeitet haben?
Phoenix übertrug eine Wahlkampfveranstaltung der PDS aus München. Zwar saß ich am Fernsehgerät hunderte Kilometer weg, doch einen leisen Luftzug konnte ich immer noch spüren, als Gregor Gysi den Menschen erklärte warum es gut für München und die Bundesrepublik wäre, wenn sie seine Partei wählen würden. Es war der selige Franz Josef Strauß, der sich in seinem Grab wie ein Propeller drehte.

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