Radio aktiv?

Grundsätzlich stehe ich auf dem Standpunkt: „Mit dem Radio aufstehen und beim Fernsehen einschlafen". Ich will Informationen und zwar schnell. Morgens was auf die Ohren und der Tag kann kommen.

Leider wohne ich im Sendegebiet Thüringen und da gibt’s morgens einfach nur was in die Fresse. Sicher mag es in den übrigen Provinzen nicht viel anders sein, das weiß ich wirklich nicht. Die Hoffnung ist der Vater des Gedankens. Soll ich wirklich glauben, dass ich in der langweiligsten Medienlandschaft wohnen muss? Vielleicht ist es so und damit wäre auch vielleicht der Grund gefunden warum nicht einmal die gefährlichsten Erreger von Tierkrankheiten im Ländle Fuß fassen konnten. Sie sind vor Langeweile an der Grenze zum Freistaat gestorben.

Gleich ganz früh wird mir die gute Laune links und rechts um die Ohren geschleudert. Fun, fun, fun das es mir Spaß bringen möge. Gute Launehits überall. Gute Laune Moderatoren bis zur Kotzgrenze. Als ob sie schlechten Shit geraucht hätten.

„Mehr Abwechslung Mit Megahits aus drei Jahrzehnten" (Landeswelle Thüringen), „Wir spielen Ihre Stars" (Antenne Thüringen),"Jump – der neue Sound im Radio! Es geht noch lauter!"(Jump) oder „MDR 1 Radio Thüringen Ihr Heimatsender"

Was wollen die nur von mir? Ich will nur ab und zu die Uhrzeit und ein paar Informationen über die Zeit in der ich schlief. Doch das scheint einfach nicht mehr möglich zu sein.

Vor allem habe keine Lust mich am Morgen mit irgendeinem dieser Slogans am Telefon zu melden um eine Duschhaube, Kaffeetasse oder Einfamilienhaus zu gewinnen. Ich kenne auch keinen der sich so melden würde. Zumindest würde ich seine Telefonnummer aus dem Speicher löschen, wenn er es täte.

Manchmal wird man auch per Radio aufgefordert hässliche Aufkleber an seinem Auto zu befestigen. Wenn man dann damit erwischt wird, bekommt man 100 DM. Nie würde ich auf die Idee kommen da mitzumachen. 100 Mark decken ja noch nicht einmal die Lackschäden ab.

Manchen Morgen liege ich wie paralysiert im Bett, unfähig aufzustehen. Der Grund dafür ist das was aus meinem Radiowecker an meine Ohren dringt. Mann – Frau – Kombinationen versuchen witzig zu sein. Mal ehrlich, wer will um diese Zeit, wenn auch nur aus Höflichkeit, über den blöden Herrn Bommel oder das wirklich sinnlose Sinnlostelefon lachen. Vor allem wer kann es überhaupt? Das Prinzip Leute am Telefon zu verarschen ist ja nicht neu, manchmal auch witzig. Vor allem, wenn die Menschen die es machen sollen es auch können. Wird es wirklich witziger, wenn der Mensch am Telefon dazu seine Stimme zu einem mutierten sächsischen Dialekt entstellt? Oder wollen die Telefonterroristen nicht erkannt werden? Warum? Weil sie denken ihre Stimme sei so prominent, dass sie erkannt werden könnten? Oder ist es ihnen einfach, zu recht, peinlich?

Was will uns Antenne Thüringen mit diesem unsäglichen „Möbelhaus Greiner" sagen? Vielleicht :An dieser Stelle muss ein Wortbeitrag kommen uns fiel aber nichts ein, darum reihen wir aufgeschnappte Sätze aus der Kantine aneinander? Es wird schon keiner merken.

Glückwunsch zum ersten völlig humorfreien Sketch im Radio! Der MDR- Thüringen mit seiner Wanderbaustelle wird damit seiner Vorreiterrolle wieder einmal gerecht. Mal abgesehen vom Kirchenfunk im Morgenprogramm, der unfreiwillig komisch ist.

Den Vogel in Sachen Interaktion schießt zu Zeit die Landeswelle ab. In zahlreichen Einspielern wird vom Geschäftsführer und dem Programmchef behauptet man wolle den Ansager der Morgensendung feuern, wenn er nicht bis 30.06. berühmt werden würde. Seitdem wurde er im Affenkäfig und weiß der Geier wo überall gesehen. Er wird mit diesen Aktionen vieles aber sicher nicht berühmt. Vielleicht würde es ihm helfen einfach mal eine gute Sendung zu machen. Da hilft auch keine „Lach- dich- schlapp- Garantie". Gibt es dafür überhaupt einen Rechtsanspruch darauf, wenn die Radiofritzen mir diese unaufgefordert aufdrängen?

Man könnte Thüringen ohne Umschweife, zumindest radiotechnisch, zu einer gagfreien Zone erklären.

Der Informationsgehalt der Sendungen in den Privaten passt bequem auf die Rückseite einer Briefmarke. Wortbeiträge bestehen meist aus Selbstbeweihräucherung und Werbung. Sollte wirklich einmal irgendwo eine Botschaft enthalten sein wird sie 40 Minuten lang immer und immer wieder angekündigt und dann in 60 Sekunden mit so einer Unmenge Subjektivität angereichert und totgeredet.

Dankbar bin ich immer, wenn Menschen von denen ich annehme dass sie Journalisten sind ihren Umgang mit der deutschen Sprache vorstellen. Zukunftsperspektiven und „sich zurück erinnern" sind nur harmlose Beispiele. Sendungen werden nicht mehr moderiert, Wortbeiträge werden einfach nur noch hingerotzt .

Nachdem die MDR- Führung vor Jahren die Landesfunkhäuser zu Brutstätten volkstümlicher Fröhlichkeit verdammt hatte, hob sie als „Sender für drei Länder" MDR- life aus der Taufe. Ein hässliches Kind. Weit und breit war noch kein privater Rundfunksender in Thüringen auszumachen und doch wurde die Messlatte für schlechtes Radio so tief gehängt das die aufstrebenden Privaten Jahre brauchten bis sie diese unterschritten hatten. Eines schönes Tages, im Jahre des Herrn 1999, durften die Ansager ihrem Sender ein viertel Jahr lag das Todeslied spielen. Bevor dann pünktlich zum Neujahrstag 2000 Jump anfing zu senden. Vollmundig als das neue Radio angekündigt, war es das Gleiche  mit noch weniger Inhalt. Zwischenzeitlich wollte ich denen einen neuen Sampler schicken, weil immer wieder die gleichen Titel gespielt wurden. Ich muss der einzige Hörer gewesen sein, denn wir waren vom ersten Tag an beim vertrauten Du.

Die Nachrichtensendungen sind jetzt noch kürzer und unwichtiger, fast so wie im Fernsehen bei RTL2. Das vorgelegte Niveau konnte nicht gleich unterboten werden. Erst Antenne Thüringen schaffte dies mit ihrem Ableger Radio Top 40.

Für alle die Nase ebenfalls vom Flachfunk allerorten voll haben, möchten ich sagen hört CD. Wenn man wie ich einen Radiowecker mit Kassetterekorder sein eigen nennt kann man seine Lieblingstitel und ein paar Zeitansagen draufsprechen und sich davon wecken lassen. Dann weiß man wenigstens auf wen man böse sein muss, wenn das Programm nicht gefällt

 

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