Dabei sein ist alles!

Kein Staatsmann reichte ihm die Hand, kein Trainer und kein Leiter. Es rügte ihn der Sportverband. Warum? Er wurde Zweiter. Hansgeorg Stengel

Schorsch dabbelju eröffnete Sie in seiner unvergleichlichen Art, die Olympischen Winterspiele in Gottes eigenem Land. Während sich hier an der Art und Weise wie er es tat, leise Kritik regte, hatten wir schon auf diplomatischem Weg entschuldigt und Wiedergutmachung angeboten. Auch bei eventuellen deutschen Erfolgen wird die amerikanische Hymne gespielt und ihre Flagge gehißt. Das sind wir ihnen schuldig nach den Ereignissen am......, na Sie wissen schon.

Wir wußten aus der "Zeitung" schon ganz genau welche Medaillenflut uns bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City erwarten würde. "Bild" titelte am Sonntag sogar "Heute schneit es Medaillen!". War eben kein Winterwetter an diesem Tag. Die Erwartungen wurden hoch gehalten.

Wir hatten keine Ahnung davon, daß die anderen Mannschaften nicht nur einen Betriebsausflug zu den Amis machten, um die deutsche Sportgroßmacht beim Siegen zu beobachten. Hanni-ich- mach- hier- nur- mein -Zeuch hatte noch nicht den zweiten Sprung von der Großschanze versemmelt. Der Hackelschorsch wog sich noch in den schönsten Goldträumen.

Ja vor einer Woche war die Sportwelt noch in Ordnung. Jetzt wissen wir, daß nicht alle Blütenträume reifen können. Die gleichen Journalisten, die erst diese Erwartungshaltung bei uns schafften, in dem sie Sportler geradezu als unschlagbar darstellten, machen nun ihre Enttäuschung Luft. Zum Glück haben ein paar Jungs und Mädels gewonnen, von denen es keiner erwartet hätte. Wer weiß was sonst mit den vermeintlichen sicheren Siegern geschehen wäre.

Dabei sein ist alles! Dieser Spruch stimmt nur noch für Amateure und Verlierer. Vorbei die Zeit als ostzonale Staatsprofis völlig werbefrei antreten mußten. Heute ist man noch nicht in der Pubertät und hat schon einen Manager. Besonders clevere haben schon Büros in Kreißsälen eingerichtet, um ja nicht zu spät zu kommen. Der/Die Baby könnte mal was ganz großes werden, deshalb muß man sich gleich die Rechte sichern.

Interviews? Was gibts dafür? Nicht ohne meinen Manager! Nach dem Sprung, Lauf oder Spiel geht es nicht zum Trainer, um zu erfahren wie es sportlich ausgesehen hat, sondern zu Rechteverwerter. Schließlich will man wissen was der Marktwert so macht.

Sponsoren warten egal auf wen. Heute springt die Lila Kuh Ski und morgen schwimmt sie vielleicht Weltrekorde, übermorgen spielt sie Schach. Die Mützenfarbe wechselt jede Saison wenn es sein muß sogar mehrmals.

Schaut her der frißt unseren Joghurt und ist trotzdem ein guter Sportler. Schumi raucht Marlboro, das macht unheimlich arrogant und furchtbar schnell. Boris surft mit AOL, also Internet idiotensicher. Franz Beckenbauer hat früher nur Malzbier getrunken, schaut euch an was aus dem geworden ist. Der hat heute sogar gelben Strom.

So oder so ähnlich funktioniert es. Wo kämen sonst diese Massen von kostenlosen Werbeträgern an Pisten, Loipen, Schanzen und Straßen her? Wenn die Nachkommen von Herrn Litfaß dafür noch Tandiemen bekommen würden......

In dieses perfekte System wollen jetzt die IOC- Funktionäre einbrechen und unserem derzeitigen Lieblingshanni die einzige Medaille wegnehmen? Seinen Marktwert senken? Unfassbar!

Ein Verein dessen Mitglieder im Ruf stehen selbst empfänglich für Wohlstand zu sein.Haben die seit der Erkenntnis, daß die Erde eine Scheibe ist aufgehört zu lernen? Wohl beim Geldumschaufeln auf die olympische Charta gestoßen?

Hoffentlich gewinnen unsere Skispringer heute in der Mannschaftskonkurenz keine Medaille. Bei mir im Supermarkt um die Ecke steht neben der Milka Martin Schmitt als Pappkamerad. Das könnte Ärger geben!

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