Schluss mit lustig

Drei bis vier Fernsehsender genügen. Das ist meine späte Erkenntnis nach all den Jahren Kabelempfang und den vielen, vielen Sendungen die ich jeden Abend nicht sehen wollte und mit letzter Kraft wegzappen konnte. Hätte ich nur ein Jahr konsequent alles das aufgenommen was mich interessiert hat, dann könnte ich mein eigenes Fernsehprogramm ohne Werbung veranstalten. Pünktlich zum Sommerloch wuselt "Inspektor Columbo" durchs RTL Programm, werden Serienwiederholungen von einer Senderfamilie zur nächsten verschoben. Pro7 könnte eigentlich im Januar ein 10 Jahresprogramm herausgeben. Mit all den hochgelobten Kommerzschinken, die von, manchmal qualitativ hochertigeren, Werbeblocks unterbrochen werden. Irgendwann ist dann "Magnum" fast am Ende der Nahrungskette angekommen.
Noch ist es nicht so weit. Schließlich steht Super- RTL in der Evolution noch eine Stufe über "Neun Live".
Wie? Was für Shows würde ich verpassen? Etwa diese Billigproduktionen für Voyereure und Exibitionisten mit der Halbwertszeit einer Eintagsfliege? Wie "Deutschland pupt den Superstar" oder ihre noch schlechteren Ableger aller anderen Sender?
Oder die legendären Quizsendungen, bei denen sich jeder Sesselfurzer mit qualifiziertem Grundschulabschluß zuhause als lebenden Beweis für die Unrichtigkeit der Ergebnisse der PISA- Studie hält? Das kann nicht Ihr E R N S T L sein. Wählen sie noch zwei Konsonanten und einen Vokal.
Grenzt es nicht schon an seelische Grausamkeit, wenn Typen wie Alexander Pasta und seine blonde Erektionsgehilfin Sonya die schlimmsten Szenen vom Randgruppen TV, die man glücklicherweise nicht sehen mußte, als Konzentrat auf den Markt bringen?
Ob die Talkshowakteure merken,das die dicke Frau am Mikrofon inzwischen nicht mehr Vera- im- Nachthemd, sondern Barbara Salesch ist und eine richtig beantwortete Frage nicht mit Tor 1 belohnt wird?
Mit Unbehagen beobachte ich schon geraume Zeit die großangelegte Rückkauf - Aktion von ARD und ZDF. Ihre Praktikanten aus den Dritten und dem Vorabendprogramm kehren heim. Nach Jahren im Proll- Zoo der Privaten sollen sie zur "Geh - Heim- Waffe" der gebührenpflichtigen Sender werden. Kerner, Beckmann & Co müllen uns mit ihrem weichgespülten Smalltalk, dessen Informationsgehalt Platz auf der Rückseite einer Briefmarke finden würde, zu. Alternativ hatten wir bis vor kurzem noch den öligen Schreihals Friedman im Programm. Es war echt schwer zu entscheiden, ob man keine Informationen, Argumente- kurz Inhalt- hören will, weil der Moderator seine Gäste ausreden läßt oder weil er ihnen brüllend ins Wort fällt.
Einverstanden, Sendungen mit so hohem Wortanteil sind nicht Jedermanns- Sache.
Doch da ist noch die Sache mit dem Sport. Brot und Spiele wie man es im alten Rom praktizierte. Nur etwas mehr dem Zeitgeschmack entsprechend. Vor 15 Jahren ging die gute alte Zeit zu ende. Die ARD verlor die Rechte an der Fussball - Bundesliga. Vermeintliche Gewinne riefen RTL und Konsorten auf den Plan. Es folgten Boxen, Tennis, Skispringen und die Formel 1. Bei Sat1 versuchten sie es sogar einmal mit Radsport. Das war lustig. Unsummen wurden gezahlt, um das alles übertragen zu dürfen. Das der Sport und seine Anhänger dabei auf der Strecken blieben interessierte niemanden. Schon gar nicht in der Politik. Senderpluralität und solche Begriffe wurden uns um die Ohren gehauen, die nicht verstehen wollten, warum ein Fussballspiel auf einmal nicht mehr 90 Minuten dauern sollte, sondern 3 Stunden und die Zusammenfassung "Höhepunkte" eines Boxkampfes länger war als der Kampf selbst. Der Kaiser Pranz und die Hutständer aus den anderen Fakultäten kommentierten sich einen "Wolf", bewerteten Stuhlh
gänge der Protagonisten, das Horoskop verstorbener 100jähriger Bernasennenhunde und analysierten die Nasensteine des Toilettenpapierhändlers ihres Vertrauens. Alles für uns, den staunenden Endverbraucher, der eigentlich nichts weiter wollte als ein wenig Sport in der Glotze zu sehen. Es kam, durch unsere Schuld wie es kommen mußte, wir waren Schuld das der große Reibach ausblieb. An den bescheidene Motivationszulage gewöhnt standen sie nun dumm da die Sportler, irgendwie nicht bereit für weniger die Minimalleistung zu bringen.
Die Lösung lag auf der Hand, zurück mit den Defiziten zum Gebührenzahler. Nach halbherzigen Geboten von Sat1 muss nun wieder die ARD die Fussball- Bundesliga ausstrahlen. Klar, dass uns der diensthabende Indendant aus der "ersten Reihe" das als einen Erfolg verkaufen will. Schließlich sitzen die Parteienvertreter, die vorher die Privaten bevorzugten, in den Senderäten. Außerdem kennen die es nicht anders, wenn sich etwas nicht anders finanzieren läßt, greift man dem Endverbraucher in die Tasche und nimmt es sich einfach. Dafürt zahlt man doch schließlich schön brav seine GEZ Gebühren.
So kommte es das wir ab August 100% "Ran" in der ARD unter dem alten Namen Sportschau sehen können. Und so kommt es, dass mich am Sport nur noch interessiert, ob der FC Bayern zufällig mal nicht Deutscher Fussballmeister wurde oder Schummel-Schumi eine Leitplanke rasiert hat. Doch das steht am nächsten Tag auch in der Zeitung.

 

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