Mein Wille geschehe?

Mein sportliches Interesse hat im vergangenen Jahrzehnt deutlich nachgelassen. Das passierte schleichend . Vermutlich in dem Verhältnis in dem sich der Sportler aus Geldgeilheit zum Arbeitsgerät des Managers verkommen läßt. Der verhökert seinen Schützling an die Medien. Die kauften alle Senderechte auf, dabei ist es inzwischen total egal ob privat oder öffentlich- rechtlich.
Ein einfaches Sportereignis, wie beispielsweise ein Formel 1 - Autorennen, wird zu einem bunten Nachmittag vergewaltigt, der um 9:00 Uhr morgens beginnt und gegen 17:00 Uhr endet . Wenn das anfing was ich eigentlich sehen wollte, nämlich ein paar durchgeknallte Männer, die zwei Stunden lang mit 300 km/h im Kreis fahren, dann war ich vielleicht schon eingeschlafen. Dafür bin ich mit so viel unnützem Wissen angereichert worden, dass ich wohl nie wieder ohne geeignete Therapie loswerden würde. Das will aber der Zuschauer wissen, tönen die Sender. Warum soll ich wissen wollen ob Michael Schumacher Stuhlgang hatte und welcher Konsistenz er an diesem Tag war? Was geht es mich an ob Sven Hannawald die Schultern oder die Eier massiert bekommt? Wer will den Vornamen des Luftaufpumpers von Jan Ullrich wissen? Das alles geht doch nur die Typen etwas an, die sich diese Dienstleistungen bestellen!
Dabei sind das sicher ganz nette Mitmenschen. Machen nur ihren Job. Genau wie ihre Arbeitgeber. Zumindest als die anfingen Sport zu betreiben. Irgendwann aber wurden einige von ihnen Spitzensportler und dann begann das eigentliche Elend. Laufen, Springen, "Um- die- Wette- fahren" , Schwimmen .... wurden zu einem Geschäft und der Geschäftsgegenstand zu einem Werbeträger. Damit der Euro rollt müssen Siege her oder etwas anderes was man medientechnisch als Verkaufsbeschleuniger zum Einsatz bringen kann. Und so erfahren wir dann wer die Bälle aufpumpt und die Eier massiert.
Der wirkliche Fan hockt sich halt schon Stunden vor dem Anpfiff vor die Glotze und läßt sich von Delling und Netzer langweilen. Sportliche Ereignisse ohne einen Experten vor Ort oder im Studio? Das kann nicht gutgehen. Den Zuschauer eine eigene Meinung bilden lassen, dass könnte ganz schnell nach hinten losgehen. Ohne die hätte man vielleicht gedacht: "Hm, das war aber jetzt ein Scheißspiel!". Wenn aber der Rudi mit den Naturlocken beim Weißbier- Waldi nach diesem Scheißspiel die Kritiker beschimpft, dann weiß man endlich:"Na klar, wir sind doof, war doch eigentlich alles gar nicht so schlecht." Als Entschuldigung sollte man sich, am besten gleich, einen recht teuren Fanartikel bestellen, damit der Kritisierte nicht in dumpfes Brüten verfallen muss.
Können und sollen wir uns denn eine objektive Meinung bilden. Seien wir doch mal ehrlich. Das geht so nicht und ist auch so nicht gewollt. Je nach dem wer bei Presse, Funk und Fernsehen das meinungsbildende Kapital zu Verfügung stellt, wird die Tendenz im Beitrag deutlich. Wenn 2003 der ADAC Heinz- Harald Frentzen zum Autofahrer des Jahres kürt wird, vor Nick Heidfeld, dann gibt es drei Möglichkeiten damit umzugehen.
1. Egal, weil unwichtig.
2. Schumacher gewinnt seine 6. WM und die Loser streichen die Ehrungen ein?!
3. Man denkt an den Satz von Harald Schmidt: " Michael Schumacher wurde zum 6. mal Formel 1 Weltmeister! Herzlichen Glückwunsch liebe Schweizer!" Dann paßt das schon!
Wenn ein Fernsehsender, wie n-tv, sich der Popularität des Namens Frentzens bedient und dessen 14jähriger Schwester gegen einen alten Schlagersänger und einen untalentierten VIVA- Ansager, auf einer Go-Kartbahn, gegeneinander fahren läßt, ist dann der Talenttest ihres Bruders nachgestellt worden? Oder ist das Nachwuchsförderung?
Meldungen zufolge soll es bei den deutschen Skispringern am Ende der vergangenen Saison gekracht haben. Angeblich hat man den erfolgreichen Trainer Heß weggeputscht. Maßgeblich, so heißt, es sollen die am besten mit Werbeverträgen ausgestatteten Springer daran beteiligt gewesen sein. Nun sind es gerade die, die im Augenblick keine berauschende Leistung bringen. Trotzdem blickt man bei jedem Springen auf ein Meer von Lila- Mützen. Es werden Transparente gemalt "Ich will ein Kind von Dir!". Im Falle des Lila- Springers vermute ich ja, dass die Leistung erst wieder stimmt, wenn der Sponsor gewechselt wurde. Lila könnte leistungshemmend wirken. Ein ähnlicher Fall Lila- Bleischwere ist schon im Schwimmsport dokumentiert worden. Lila ist eben schwerer als Luft.
Dem zum zeugen aufgeforderten Sven drückte ich bis vor kurzem noch ziemlich doll die Daumen. Auf das er sein "Zeuch" machen werde und er mal wieder "eine Granate rauslassen werde". Ob er vielleicht etwas am "Sträußchen" haben könnte habe ich mich schon gefragt, als er bei seinen Interviews mit RTL glaubte er sei bei "Bitte melde Dich". Nun hat sich eine gemeldet und schon macht er sein "Zeuch" mit ihr und die Granaten läßt er vermutlich woanders zünden. Mit den großen sportlichen Erfolgen ist es, jedenfalls im Augenblick, vorbei.
Es geht die Mär im Thüringer Wald um, dass die Springerelite bei einem Trainingslager ebendort weilte und bei einem geselligen Zusammensein irgendjemand behauptete, das zwei im Osten unseres Landes geborene und als Kinder in den Westen übergesiedelte Stars "Ossis" seien. Diese stritten dies aber ab und hätten sich dafür ein paar Maulschellen eingefangen. Obwohl die Geschichte im Brustton der Überzeugung vorgetragen wurde, kann ich mich nicht für ihre Richtigkeit verbürgen.
Sei's drum. Fakt ist doch, dass die Sportler die Möglichkeit haben mit ihrer Leistung Erfolge zu erringen. Was aber nützt das, wenn keiner gebührend darüber berichtet? Dann bleibt die klingende Münze aus. Wer bei Erfolg in jedes offene Mikrofon und sich in jede laufende Kamera stürzt, vielleicht auch gegen Bares, der darf in schlechten Zeiten nicht davor weglaufen. Der Volksmund sagt: Wer das Eine will, der muss auch das Andere mögen!
Wer die Macht der Medien als verkaufsfördernde Maßnahme gezielt einsetzt, der muss auch für die Kaufopfer da sein und darf sich nicht in den Mantel der Arroganz hüllen. Da müssen eben Hände geschüttelt und Unterschriften auf alles Beschreibare gekritzelt werden.
Wenn horrende Kaufsummen für Sportler im Gespräch sind, Sendezeiten zurecht gebastelt werden, damit noch mehr verdient werden kann, dann halte ich es für legitim "Stopp" zu sagen. Diesen Mist schaue ich mir nicht mehr an! Gebt mir das Ereignis pur! Mein Wille geschehe! Schließlich zahle ich den ganzen Kram auch. Mit meinen Fernsehgebühren bin ich dabei. Kabelgebühren muss ich abdrücken. Mancher gönnt sich Premiere. Die Werbung muss ich ertragen. Selbst die Sponsorengelder muss mir vorher jemand abgenommen haben, um sie dann verteilen zu können.
Habt Mut Ihr Verantwortlichen, wenn jemand den Hals nicht voll genug bekommen kann, dann sendet den Mist einfach nicht mehr!
Der darbende Einzelhandel sei uns ein Vorbild. Da zahlen die, die in die Regale wollen Eintrittgebühren und nicht umgekehrt.

zu weiteren Themen
Home