Die Rezession und andere Märchen

Der Einzelhandel war wieder einmal nicht zufrieden. Wir haben wieder einmal nicht genug eingekauft. Das Geschäft war wieder einmal enttäuschend. Es ergriff mich ähnlich wie bei den Horrormeldungen über die katastrophale Situation bei den Ärzten. Ich fuhr rechts ran und griff nach meinen Taschentüchern. Es half aber nicht, um die Bäche von Tränenflüssigkeit von meinem Körper aufzunehmen. Also nahm ich einen Schwamm zur Hand, den ich für derartige Extreme immer mit mir führe. Zeit dazu hatte ich schließlich genug dazu, in meiner Warteschlange vor dem Parkhaus des Kaufhauses.
Die Regierung will, daß wir auch am Samstag länger einkaufen können. Der Handel will das nicht. Schließlich kaufen wir zu wenig. Es kann nicht sein, einfach nur als Kundenservice großzügige Öffnungszeiten einzuführen.
Neulich wollten wir Freunden aus dem ländlichen Raum die schrecklichen Auswirkungen der Rezession vor Augen führen. Wir verabredeten uns für den Samstag in den Nachmittagsstunden, unter dem Riesenrad des vermutlich menschenleeren Weihnachtsmarktes. Es war schlimmer als wir erwarten konnten, der ganze Platz voller Gaffer. Auch der zweite Versuch, einer Bestandsaufnahme scheiterte zwischen den Feiertagen kläglich. Wir wollten uns im Stadtzentrum treffen, um durch die Geisterstadt zu schleichen. Wir bekamen keinen Parkplatz, wieder alles voller Gaffer. Als auch ein dritter Anlauf, in den ersten Januartagen keinen Erfolg brachte, beschlossen wir die Aktion "Antidepressiva für Konzernchefs" ins Leben zu rufen. Vielleicht können wir diese medizinischen Lebenshilfen ja noch rechtzeitig vor dem offiziellen Winterschlußverkauf in Umlauf bringen.
Danke; liebe Gewerkschaften und Arbeitergeber im öffentlichen Dienst, dass Ihr bei Euren Verhandlungen wenigstens an die notleidende Hotelbranche im Fünf- Sterne- Segment gedacht habe, als ihr über die Lohnerhöhungen für Eure Bediensteten und Mitglieder gedacht habt. Was dann dabei wirklich herausgekommen ist, sei dahin gestellt. Eine 3 sollte auf jeden Fall vor dem Komma stehen, so war das erklärte Ziel des Luxusurlaubes in Bremen und Potsdam. Schließlich, wurden sogar 4,4 % erreicht. In 27 Monaten. Braaaaaaaaavvvvvvvvvvvvoooooooooo!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Meines Wissens nach geht so ein Haushaltsjahr vom 01.01. bis 31.12. . Bei der Herangehensweise wären auch 10 % Lohnerhöhung oder mehr möglich gewesen. Es ist eben alles ein Frage der Laufzeit. Angesichts der Streichung eines freien Tages von mehr Arbeit für weniger Geld zu reden wäre übertrieben? Wir Lohnabhängigen sollten dankbar sein für jeden Cent, den man uns überläßt. Besonders im Osten. Im 13. Jahr immer noch 86 % im Vergleich zum Westkollegen plus 10 Stunden Mehrarbeit im Monat. Die Kassen sind leer heißt es.
Manchmal hat sich vielleicht der eine oder andere bei im Stillen gedacht: Wäre Verzicht jetzt nicht angebrachter als die ewige Forderung nach immer und immer mehr? Was sind wir Kleinsparer doch für Raffzähne. Soll doch selbst der kleinste Provinzfürst eine S- Klasse als Dienstwagen haben. Wir gönnen es ihm von ganzem Herzen.
Wenn der weltbeste Thüringer Ministerpräsident einen runden Geburtstag hat, warum sollte er nicht so feiern, dass sich die gesamte Innenstadt der Landeshauptstadt über Stunden im polizeilichen Ausnahmezustand befindet. Nur zu, soll doch jeder Gast mit eigenem Dienstflugzeug und Staatskarosse auf unsere Kosten anreisen, um dem Jubilar im Kaisersaal (!) zu huldigen. Das sind die Gelegenheiten bei denen ich mir so denke, wenn das alles machbar ist, dann sind die 30 € monatlich für den armen Staats-, Land-, Stadt- und Kreisangestellten auch noch drin. Oder warum müssen alle Bundestagsabgeordneten demnächst für lau nach Paris reisen?
Manchmal überlege ich ob wir unserer eigenen Verantwortung als Arbeitgeber ausreichend gerecht werden. ?????????? ! Ja wir sind schließlich auch Arbeitgeber, schließlich befördern wir mit unserer Stimme alle paar Jahre diverse Menschen in kargen Lohn und trockenes Brot. Die Tinte unter dem offiziellen, amtlichen Endergebnis ist noch nicht ganz trocken, schon sind sie selbständig, zumindest was die Gehaltserhöhungen angeht. Ihr monatliches Salär paßt sich allerlei seltsamen Automatismen an. So kann der staunende Steuerzahler demnächst wieder zu Kenntnis nehmen, dass sich die allgemeine Einkommensentwicklung im vergangenen Jahr auf 6 % belief und man sich deshalb die Diäten um eben diesen Betrag erhöhen werden muß. Man kann darauf noch nicht mal verzichten. Ein Verzicht würde nämlich gegen die Verfassung verstoßen. Man höre und staune dann 6 %! Bei den Arbeitslosenzahlen, der darbenden Wirtschaft und den leeren Kassen und durchschnittlichen Steigerungsraten von nicht mal drei Prozent im Jahr. Da sieht man mal wieder wie die Sportler und Künstler mit ihren überzogenen Gagen den Durchschnitt nach oben drücken.

 

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