Machtwechsel

Thüringen hat einen Vogel, der war bekanntermaßen ein treuer Gefolgsmann vom dicken Helmut. Sich seiner erinnernd schickte dieser den Weintrinker Bernhard in das Bratwurst-, Kloß- und Bierland. Als Statthalter. Dabei hatte der Vogel mit seinem aktiven politischen Unwesen bereits abgeschlossen und auf dem Versorgungsstuhl der Konrad- Adenauer- Stiftung Platz genommen. Nachdem ihm seine Rheinländer und Pfälzer zuriefen Tschö mit Ö verkroch er sich in seinen Schmollwinkel.
Doch taten sich ihm neue Perspektiven auf. In einem Alter in dem sich die meisten Ostdeutschen Jammerlappen bereits auf ihren überbezahlten Vorruhestand zurück gezogen hatten, bewies der Herr Vogel noch einmal Mut, Tatendrang und Flexibilität. Er wechselte den Ort. krempelte die Ärmel hoch und... ?
Unter seiner hervorragenden Leitung wurden erstmal vertrauenswürdige Personen (Berater und Staatsdiener aller Ränge) in den kleinen Freistaat geholt mit dem Ziel ihn zu regieren. Schließlich konnten die Ossis sich nicht selbst verwalten. Der gerade geschasste Vorgänger Josef Duchac war wohl der beste Beweis für die Richtigkeit dieser Maßnahme. So ist Thüringen heute immer noch, neben Sachsen, das einzige Bundesland mit einem Import an der Spitze.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Schon bald sangen die Erfurter Medizinstudenten auf den Straßen: "Fliege weiter lieber Vogel denn wir brauchen Dich nicht!" Doch geflogen ist nicht er sondern sind die Studenten, denn die traditionelle medizinische Akademie wurde in ein Krankenhaus der Maximalversorgung umgewandelt und die Ausbildung der Ärzte zu Gunsten der Jenaer Uni eingestellt. Dafür wurde die alte Erfurter Universität wieder zum Leben erweckt, wo jedoch fast nur Studienrichtungen angeboten werden bei denen der Taxischein dem Abschlußzeugnis gleich mit beigelegt wird.
An einer Wand eines Gebäudes der Erfurter Krämerbrücke stand lange Zeit: "Hier regiert der Bernhard, obwohl ihn keiner gern hat.". Gut gemeint aber doch nicht richtig. Immerhin hat er es inzwischen auf elf Regierungsjahre gebracht. Es muß also eine große Anzahl Menschen gegeben haben, die das irgendwie ermöglichten. Mit seinen Rheinland-pfälzischen Jahren zusammen hält er jetzt den Rekord als dienstältester Provinzfürst.
Unter seinem wohlwollenden Blick konnte der Ex-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth, Carl-Zeiss in Jena zur Jenoptik abwickeln und somit, unter anderem, Platz für das Einkaufsparadies "Goethegalerie" schaffen. Und damit Arbeitsplätzen im Handel entstehen helfen. Über die notwendigerweise freigesetzten Kräfte aus dem ehemaligen VEB müssen wir nicht reden. War ja schließlich alles Bankrott. Gemeinsam mit ihm und einigen anderen älteren Herrschaften stand er Modell für die Werbeaktion "Denkfabrik Thüringen", was dann aber eher eine politische Blähung war. Wie er so vieles beitrug zur piefigen, miefigen, geistigen Dunstglocke im Lande.
Sehen wir auch die guten Seiten. Viel Spaß gab es auch immer mit seinen jeweiligen Innenministern der CDU und der Sozialdemokraten. Schließlich hat die Thüringer SPD, von vielen unbemerkt, einige Jahre im Lande mitregiert. Dabei blieb dieser Posten immer so eine Art Schleudersitz. Aufgegeben hat der Vogel seine eigenen Leute immer nur dann, wenn es gar nicht mehr anders ging.
Wenigsten preisgünstig konnte der Herr Vogel arbeiten, sagt man. Schließlich hatte er doch durch seine verschiedenen Jobs vorher Versorgungsansprüche, die sein Salär, in Thüringen, in für Politiker kleinem Rahmen hielten. Außerdem sparte der Junggeselle den ganzen Aufwand für eine First Lady. Das ist schließlich auch was wert.
Nicht vergessen sind auch seine legendären Auftritte über die Landesgrenzen seines kleinen Reiches hinaus. Besonders in der schweren Zeit nach dem dicken Helmut. Fast hätte man vermuten können er liebäugle damit seinem politischen Gönner im Amte zu folgen . Wurde dann aber nichts. Die jungen Machtgierigen wollten das Alter nicht ehren und schubsten ihn zurück.
Jetzt will er seinen Hut nehmen, obwohl er immer wieder beteuert hatte, seine Wahlperiode noch zu Ende zu führen. Nun gut, manch einer möchte undankbar rufen: Endlich, mach schnell! Paß aber auf, daß Dir beim Rausgehen nicht die Türklinke in den Rücken schlägt. Doch was soll das? Geht denn der Vogel jetzt in Rente? Kehrt er heim zu seinem Horst? Nein, er möchte frei sein, wenn im nächsten Jahr ein neuer Bundespräsident gewählt werden wird. Schließlich möchte er gefragt werden, wenn die Bundesversammlung einen neuen Grüßaugust ins Berliner Schloß Bellevue schickt. Der derzeitige Amtsinhaber läßt zwar offiziell verkünden, er überlege noch ob er ein zweites Mal antreten werde. Doch das ist alles nur Geplänkel. So groß kann der Dachschaden nach dem Zusammenstoß mit einer Stehlampe gar nicht sein, daß man bei den Mehrheitsverhältnissen des Wahlgremiums Bundesversammlung an eine Wiederwahl glaubt. Für Vogel heißt es jetzt stillhalten und bereit sein. Ein wichtiges Argument weiß er auf seiner Seite: die Kostenersparnis. Wir erinnern uns keine First Lady!
Gut, was die Zukunft bringen wird werden wir in diesem Fall erst im Jahr 2004 sehen. Die politische Zukunft von Thüringen wird schon anfang Juni 2003 beginnen. Bernhard Vogel hat einen Wunschkandidaten. Seinen Nachfolger im Amt des CDU- Landeschefs, Dieter Althaus. Spiegel-Online bezeichnete ihn als Prinz Charles von Thüringen, keinen Mann der offenen Worte. Eher einer der im Hintergrund arbeitet. Klingt nach einer netten Umschreibung für jemanden der als intrigant gilt. Vielleicht ein wenig hinterhältig. Was weiß man sonst von ihm? Ehemaliger Lehrer aus dem katholischen Eichsfeld, wo eine Scheinheiligkeit gedeiht, die es in ihrer Reinheit, nur unter der geistigen Herrschaft der katholische Kirche auszuprägen gelingt. Althaus war, wenn das stimmt was die Presse über ihn schreibt, stellvertretender Direktor für außerunterrichtliche Tätigkeit, also zuständig z.B. für die Wehrerziehung an seiner Schule. Ehemalige FDJ Funktionäre behaupten der zukünftige Philisterpräservativ von Thüringen habe seinerzeit für seine Treue zum Staat DDR eine hohe Auszeichnung erhalten und auch angenommen. Er sagte, man habe sie ihm zwar nachgeworfen, er sei aber immer geschickt ausgewichen und habe sie nie angenommen. 1985 trat er der Ost CDU bei, befand sich aber immer im Widerstand zum damals herrschenden System des Honecker- Regimes. Unter Bernhard Vogel folgte er der Pfarrerstochter aus Ramsla ins Amt des Thüringer Kultusministers und trug maßgeblich zu den Versäumnissen beim Aufbau des Bildungssystems im Freistaat bei. Nebenbei belastete sein Ministerium die Steuerkasse durch die vielen verlorenen Prozesse gegen gekündigte Lehrer.
Herr Vogel sagt uns nicht: Ich trete ab, um Bundespräsi werden zu können. Er erklärt uns mit Hinblick auf die anstehenden Landtagswahlen 2004, sein Nachfolger solle in der verbleibenden Zeit der Legislaturperiode beweisen, daß er es kann. Ach so.... ?
Menschen die ihn kennen lernten , den Herrn A., sagen ihm die Spritzigkeit von stillem Wasser nach, dessen Inkompetenz nur noch von seiner Arroganz übertroffen wird.
Wenn man also geistiges Koma mit einer Schalftablette bekämpfen will, kann auch der Herr Vogel weiter machen. Darauf ein dreifaches Rennsteiglied.


 

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