Hirn- und bauchfrei

Als ich auf unserer Shoppingmeile an einem heißen Sommertag entlang ging, hörte ich plötzlich lautes Gelächter. Unschwer war die Quelle diese unangenehmen, hämischen Geräusches heraus zu finden. Fast wäre ich drauf geprallt. Zwei, ungefähr 15- 16jährige Mädchen, zeigten mit dicken Wurstfingern auf eine attrative Dreißigerin im blauen Sommerkleid und pfiffigen Strohhut und konnten sich über diese Kleiderordnung vor lachen nicht mehr einkriegen. Mit der anderen Hand umklammerten sie etwas schwammiges aus dem Hause "Burger King". Eine Cola stand zu ihren, mit versifften Badelatschen bekleideten, Füßen. In Ansätzen konnte man eine vormalige Lackierung der ebenfalls unförmigen Fußendstücke erahnen. Auch die weitere Erscheinung konnte sich sehen lassen. Natürlich trug man ein bauchfrei bis zum Brüstchenansatz. Der fluffig hervorquellende Bauch schlug gut sichtbar über dem Bund einer scharzen Hüfthose auf. Genau dort würden anatomisch vorgebildete Menschen einen der gleichnamigen Knochen vermuten. Bei flüchtiger Betrachtung hätte man meinen können, beide haben ja gar keine Taille. Doch weit gefehlt! Deutlich waren die Einschnitte der Fäden ihres, ebenfalls gut sichtbaren Stringtangas zu erkennen. Diese teilten den Oberkörper quasi in zwei Hälften, zählte man die Bauchfalte kulanterweise nicht mit. Rotgefärbte sichtlich fettige Haare umspielten die gesamte Physiognomie, die vollendet durch den Ausdruck kleiner, blödsinnig glotzender Schweinsäuglein repräsentiert wurde.
Natürlich war es unfair so junge Menschen zu fragen ob sie schon mal in den Spiegel geschaut hätten. Sollten die auf diese Art gescholtenen irgendwie später zu einmal durchdrehen, ich nehme es auf mich. Ja, sie können sich auf eine schwere Jugend berufen.

Es bleibt die Frage alle Fragen. Wer trägt die Schuld? Die Verkäuferin beim Klamotten- Aldi? "Ja, ähm hör mal, die Sachen sind zwar im Moment voll trendy, ich würde Dir aber eher zu etwas weniger bodybetonten raten. Wie wäre es mit einem ganz weiten Sack und einer Skimütze? "Soweit die Beschreibung der Zielgruppe für Bildungssender wie RTL 2, Viva und so weiter und so weiter........ ! Diese Phase des Lebens, die man wohl Jugend nennt ist irgenwie prägend. Die meisten Menschen, werden diese Last ihr ganzes Leben mitschleppen und nie ganz ablegen können.
Wer also trägt die Schuld? Diese Frohsinns-Radios und Fernsehsender, die uns den ganzen Tag einreden wollen, sie wären am Puls der Zeit. Flachzangen als AnsagerInnen, die die Sprache als menschliches Ausdrucksmittel erst noch entdecken müssen. Für die wurde die Rechtschreibung "reformiert" und demnächst die Grammatik ganz abgeschafft? Die bei denen zum Geistesriese wird, der die Frage: Welche Farbe hat das rote Kreuz?, nicht mit "pink" beantwortet.
Medien, die ganze Familien davon abbringen sich am Telefon ganz normal zu melden? Statt dessen wird man jedesmal angebrüllt:" Ich höre das Super-Furz-Radio Antenne Schwachsinnswelle, mit dem besten Supermix der Volksmusik aus 8 Jahrtausenden!". Die Verantwortlichen für diese audio-visuelle Körperverletzung sehen das völlig entspannt. Die Chefin von "neun scheiß" beantwortete die Frage, ob ihr das nicht peinlich sei, was auf ihrem Sender so läuft, ganz lapidar "Ich mach doch kein Fernsehen für meine Ansprüche".
Soweit das TV Erlebnis für die jüngere Generation. Doch welche Möglichkeit hat meine Generation zwischen RTL2 und Co und dem Musikantenstadel gepflegt vor der Glotze zu verblöden? Damals, vor langer, langer Zeit, saß ich mit großen Augen und offenen Ohren in meiner Berliner Studentenbude und staunte über die Segnungen des Senders SAT1, RIAS TV (Samstag vormittag) und Berlins ersten Privatradio 100,6. Die Fazination ließ rasch nach, denn meine niederen Instinkte waren schnell befriedigt.
Doch für die gepflegte Entfaltung des eigenen Schwachsinns gibt es ja auch Vorbilder in der eigenen Familie. Nämlich die Generation, der es genügt SAT1 und RTL für Kultursender zu halten. Zwischen Jogginghosen, einem Kasten Regenwald aus Krombach und dem Aroma von kalt gewordenen Blähungen avancieren Schweinebacke Axel Stein und Furzknoten Super Richie zu Comedystars. Alte, wahrscheinlich in ihrem Jahrhundert gute, Sketche werden mit Unverschämtheit, Blödheit und Respektlosigkeit vor dem menschlichen Leben verwurstet, mit natürlicher Unfähigkeit angereichert und gesendet bevor die Scheiße kalt wird. Da ist keine Sendesequenz von irgendwelchem Humor getrübt. Wer erinnert sich nicht an RTL-Samstagnacht oder die SAT1- Wochenshow. Diese zu unrecht überschätzen Formate wurden eingestellt, weil sie angeblich keiner mehr sehen wollte. Warum dann diese dauernden Wiederholungen? Es ist sicher genau das was ein Publikum verdient hat, das sich seine Gehirne bei Homeshoppingsendern geleast hat. Hallo!!! Es es nicht alles gut und richtig, nur weil es eine Schnarchnase im Fernsehen behauptet oder macht!
Jüngstes Beispiel Promiboxen bei RTL. Nun gut, mit Augen zu geht "Wer wird Millionär" vielleicht noch als Bildungsfernsehen durch. Wenn sich jedoch Knallchargen vom Fliesbandfernsehen und die Kasper aus dem Vorabendprogramm auf das Schnäuzchen hauen wollen, muß man dies nicht gleich als Promiboxen bezeichnen. Oder? Das ist wie Sauce Bolognese ohne Hackfleisch.
Was soll auch rauskommen, bei der Besetzungsliste? Der unsägliche Kai Ebel labert uns mit dem Meister aller vergeigten Titelkämpfe im Profischwergewichtsboxen, dem weichen Riesen Aaaaaaaaaaxel Schuuuuuuuuuulz, einen "Wolf" an die Ohren. Zwischendrin piept Frau Feldbusch die Sitzenbleiber der Hauptschulklasse aller RTL Serien an, die vom Mahr-Hansi Nachsitzen verordnet bekamen. Hausintern behauptet man Verona glaubt sie führe Interviews, während daheim der Spinat anbrennt, weil er nicht mit Schauma angereichert worden ist. Als Qualifikation für diese Aufgabe mußten ihre Nehmerqualitäten in ihrer Karrieresprungehe mit Bohlens Dieter ausreichen. War noch was? Ach ja geboxt wurde auch, irgendwie jedenfalls. Den größten Unterhaltungswert hatte eindeutig das Aufeinandertreffen von Doro Pesch und Michaela Schaffrath, letztere als Schauspielerin so unbekannt, daß man ständig ihren Kampfnamen aus Pornotagen dazu nennen mußte. Hauen, beißen, kratzen, kneifen nichts hat dem richtigen Frauenboxen mehr geschadet als
diese wenigen Minuten. Wenigstens konnte ich herzlich darüber lachen.

Einige Schnappschüsse von diesem sportlichen Höhepunkt.

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