Die große Welle?

Na, heute schon spannen gewesen? Wieviele "Jahrhundertflut- Sonderspezialsendungen" haben Sie heute schon gesehen? Geben Sie es ruhig zu. Machen doch alle! Wo es doch heute so bequem ist. Man kann sich ja alles ins Haus kommen lassen. Pizza, Rindfleisch süß- sauer oder eben Katastrophen. Wie, ist was anderes? Ach so, die menschliche Seite und so und das viele Leid der Opfer. Schon mal auf die Idee gekommen hin zu fahren und Sandsäcke zu füllen und schleppen helfen? Zu weit weg oder keinen Film in der Kamera? Kein Parkplatz, wegen der vielen Glotzer? Besser keine Hilfskräfte behindern? Schon klar. Wenigstens Spenden gewesen? Blut, Geld, Klamotten oder Lebensmittel?
Schieben Sie die Schuld doch einfach auf die Medienstrolche. Die bringen schließlich den ganzen Tag nichts anderes. Sie wird Ihnen ja praktisch aufgezwungen diese Berichterstattung. Hundertschaften von seelenlosen, sensationsgeilen, sogenannten Reporter berichten in zahllosen Sondersendungen über das Leid uns fremder Menschen. Das wissen wir schon lange spätestens seit dem 11.September oder dem 26. April. Werbeeinblendungen gleich werden immer und immer wieder die gleichen Bilder gezeigt, die selben Kommentare gesprochen und berichtet, dass es nichts zu berichten gibt. Mit betroffenheitsschwangerem Gesichtsausdruck, schaltet der Studiosprecher an den Ort des Geschehens, wo freudig erregt ein Praktikantenschnösel wieder einmal erkärt, dass der Pegel des Wassers leider konstant geblieben ist. Es ist ihm aber in der Zwischenzeit gelungen auch noch eine Kamera unter dem Deich anzubringen. Diese Bilder könnten wir nun live und exklusiv auf seinem Sender betrachten. Sinkt das Wasser dann wirklich, dann wird in uns schon die Vorfreude auf die Bilder über schlammige Straßen und zertsörte Gebäude geweckt. Bleiben Sie dran und das sehen sie dann nach der Werbung. Ist es vielleicht mal nicht ganz so spektakulär, dann macht man es eben passend. Sie werden immer gut informiert sein, denn die großen Fernsehstaionen der Welt arbeiten vorausschauend. Überrascht es Sie zu erfahren, dass CNN schon seit Jahren eine Hoteletage gegenüber dem Papstpalast reserviert hat, um exklusiv über den eventuellen Tod vom Polenpaul und der Wahl seines Nachfolgers zu berichten?
Dabei ist diese Penetranz eigentlich noch die angenehme Seite der Medaille, denn manches hat noch Nachrichtencharakter. Schlimmer wird es, wenn sich die Schmierenheinis vom Boulevard auf dieses Thema stürzen. Da werden hilflose Menschen in ihrem Elend gezeigt, Menschen in Angst zu einem sinnlosen Interview genötigt. Ganz große Emotionen wie es dann heißt, unter dem scheinheiligen, viel zu kurzen Deckmäntelchen der Menschlichkeit und Nächstenliebe. Man sollte derartige Fernsehteams nur dann zulassen, wenn sie noch hundert Helfer für die Opfer mitbringen, über die sie dann aber auf keinen Fall berichten dürfen.
Wir sollten die Flutkatastrophe nicht für den Wahlkampf mißbrauchen. Mit diesem merkwürdigen Satz führte die merkwürdige Frau Merkel eben dieses Thema in den Wahlkampf ein. Der Polittourismus setzte unverzüglich ein. Doch auch hier keine helfende Hand. Ganz große Symbolik vom Imageberater empfohlen. "Man macht sich ein Bild vom Ausmaß dieser Katastrophe". "Was wir jetzt brauchen ist eine bundesweite Spendenaktion für Bayern", Ups, Fehler gemacht, ...äh für alle betroffenen Gebiete in Deutschland. Das macht doch nichts, hat keiner gemerkt. Das schreiben wir einfach mal der persönlichen Betroffenheit von Stammel- Ede zu. Ein taktisch kluger Zug war sicherlich auch alle Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer zum Gespräch einzuladen. Solange sie in der CDU sind. Aus Brandenburg durfte nur der Innenminister erscheinen, weil er das richtige Parteibuch besitzt. Einen schöneren Beweis dafür, dass es sich um kein Wahlkampfthema handelt, konnte uns nicht gegeben werden.
Kein Grund für die Gegenseite sich die Hände zu reiben und sich feiern zu lassen. Schließlich haben die nur ihren Job gemacht. Das wofür sie von uns mehr als angemessen bezahlt werden.
Unverzichtbar bei jeder Katastrophe sind die unzähligen Spendenaufrufe. Unabänderlich auch ist leider die Tatsache, dass echte und selbsternannte Promis das Blitzlichtgewitter und die unzähligen Fernsehsendungen nutzen um ihren Marktwert ins rechte Licht zu rücken. Was soll ich damit anfangen, wenn jemand, der vielleicht 100 Millionen im Jahr Brutto bekommt, eine Million Euro spendet? Auf den ersten Blick seeehr beeindruckend. Und auf den zweiten? Ist es eigentlich relativ wenig im Vergelich mit einem anderen Menschen der 20.000 Euro jährlich verdient und 50 gegeben hat. Sehr gern genommen wird in Ermangelung von Bargeld: Äh, äh ich spende die Einnahmen aus einem Match! Das hatte Bum-Bum-Boris auch schon nach dem Massaker von Erfurt gesagt und bisher nicht gehalten. Er läßt aber fieberhaft daran arbeiten, ließ er sein Management der örtlichen Presse mitteilen. Vielleicht hätte er einfach ein paar getragene Tennisschuhe versteigern lassen sollen oder den Besen aus der Kammer, in der er zuletzt 5 Sekundensex hatte.
Bei allen den schlimmen Bilder, die uns über die Opfer der großen Flut im Augendblick erreichen. Sie haben eine große Solidarität untereinander entwickelt. Hoffentlich bleibt sie ihnen erhalten, denn eine Bewährungsprobe haben alle noch vor sich: Wenn wirklich Geld verteilt wird, denn beim Geld hört bekanntermaßen die Freundschaft auf. Wie seinerzeit im Oderbruch.


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